Der russische Friedensnobelpreisträger und ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow ist tot. Er starb am Dienstagabend im Alter von 91 Jahren in Moskau.
„Heute Abend ist nach schwerer und langer Krankheit Michail Sergejewitsch Gorbatschow gestorben“, teilte das Zentrale klinische Krankenhaus (ZKB) der russischen Hauptstadt mit.
Der weltweit geschätzte Politiker galt als einer der Väter der Deutschen Einheit und als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges. Besonders die Ostdeutschen verehren „Gorbi“, wie sie ihn nennen, bis heute als Staatsmann, der ihnen vor mehr als drei Jahrzehnten die Freiheit brachte.

Beispielloser Reformprozess

In den 1980er-Jahren hatte die Sowjetunion unter Gorbatschows Führung mit den USA wegweisende Verträge zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle geschlossen.
Es ist wohl eines der Bilder, die von Michail Gorbatschow in Erinnerung bleiben werden: Am 7. Oktober 1989 wird der Staats- und Parteichef nach seiner Ankunft zu den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Staatsjubiläum der DDR in Ost-Berlin von dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker mit dem traditionellen Bruderkuss willkommen geheißen.
Es ist wohl eines der Bilder, die von Michail Gorbatschow in Erinnerung bleiben werden: Am 7. Oktober 1989 wird der Staats- und Parteichef nach seiner Ankunft zu den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Staatsjubiläum der DDR in Ost-Berlin von dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker mit dem traditionellen Bruderkuss willkommen geheißen.
© Foto: dpa
Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow (l.) hält während einer Sondersitzung des Parlaments der Russischen Föderation in Moskau im August 1991, Notizen, die ihm vom russischen Präsidenten Boris Jelzin überreicht wurden.
Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow (l.) hält während einer Sondersitzung des Parlaments der Russischen Föderation in Moskau im August 1991, Notizen, die ihm vom russischen Präsidenten Boris Jelzin überreicht wurden.
© Foto: Boris Yurchenko / dpa
Mai 1992: Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan (l.) und der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow tragen Cowboyhüte, während sie am auf Reagans Rancho del Cielo nördlich von Santa Barbara zusammen stehen.
Mai 1992: Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan (l.) und der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow tragen Cowboyhüte, während sie am auf Reagans Rancho del Cielo nördlich von Santa Barbara zusammen stehen.
© Foto: Bob Galbraith / dpa
Der damalige Altkanzler Helmut Kohl (r.), der ehemalige russische Präsident Michail Gorbatschow (M.) und Prinz Karim Aga Khan IV stehen in Potsdam im Schlosspark Sanssouci zu einem Foto zusammen, nachdem sie gemeinsam Kirschbäume gepflanzt haben. Die Aktion mit weiteren Prominenten fand am 3. Oktober 2005 im Rahmen der Preisverleihung der Quadriga statt.
Der damalige Altkanzler Helmut Kohl (r.), der ehemalige russische Präsident Michail Gorbatschow (M.) und Prinz Karim Aga Khan IV stehen in Potsdam im Schlosspark Sanssouci zu einem Foto zusammen, nachdem sie gemeinsam Kirschbäume gepflanzt haben. Die Aktion mit weiteren Prominenten fand am 3. Oktober 2005 im Rahmen der Preisverleihung der Quadriga statt.
© Foto: Hannibal Hanschke / dpa
In seiner Heimat hatte Gorbatschow als Generalsekretär der Kommunistischen Partei mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) einen beispiellosen Reformprozess eingeleitet. Das brachte den Menschen in dem totalitären System bis dahin nie da gewesene Freiheiten.
1990 erhielt Gorbatschow für seine mutigen Reformen den Friedensnobelpreis. Der politische Prozess führte zu massiven Umbrüchen in allen Republiken des Sowjetstaates und letztlich zu einem Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums.

Kritische Sicht auf den Politiker im eigenen Land

Ein Großteil der russischen Bevölkerung sah den früheren Partei- und Staatschef stets als Totengräber der Sowjetunion - und als einen Politiker ohne Machtinstinkt. Gorbatschow trat als Präsident der Sowjetunion 1991 zurück, bevor sich der Staat wenig später selbst auflöste. Der neue starke Mann in Moskau wurde damals der russische Präsident Boris Jelzin (1931 bis 2007).
Bis zu seinem Tod hatte Gorbatschow sich um seine eigene politische Stiftung in Moskau verdient gemacht. Die Organisation setzt sich für demokratische Werte und eine Annäherung Russlands an den Westen ein.

Gorbatschow ist Autor zahlreicher Bücher

Gorbatschow schrieb zahlreiche Bücher – zuletzt unter anderem auch über seine Enttäuschung von den Deutschen und dem Westen. Konkret beklagte er dabei, dass neue Feindbilder gegen Russland gezeichnet würden. Zu den Feiern zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im Herbst 2019 war er aus Gesundheitsgründen nicht gereist. Er musste in den vergangenen Jahren immer wieder im Krankenhaus behandelt werden.
Der Politiker war Miteigentümer der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, die immer wieder Missstände in Russland aufdeckt. Gorbatschow hatte in den vergangenen Jahren Kremlchef Wladimir Putin mehrfach aufgefordert, die Freiheit der Medien und Wahlen nicht weiter einzuschränken.
Der Staatsmann wird in Moskau auf dem Neujungfrauenfriedhof für Prominente beerdigt - neben seiner Frau Raissa.
Michael Gorbatschow - sein Leben in Bildern

Bildergalerie Michael Gorbatschow - sein Leben in Bildern