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| 15:41 Uhr

Miguel Díaz-Canel neuer Präsident
In Kuba regiert kein Castro mehr

Miguel Díaz-Canel (rechts) und Raul Castro während der Parlamentssitzung am 18. April.
Miguel Díaz-Canel (rechts) und Raul Castro während der Parlamentssitzung am 18. April. FOTO: dpa
Havanna. In Kuba ist eine Ära zu Ende gegangen: Die Nationalversammlung wählte am Donnerstag den 57-jährigen Miguel Díaz-Canel zum neuen Staatspräsidenten und beendete damit die Herrschaft der Castro-Brüder.

In Kuba ist eine Ära zu Ende gegangen: Die Nationalversammlung wählte am Donnerstag den 57-jährigen Miguel Díaz-Canel zum neuen Staatspräsidenten und beendete damit die Herrschaft der Castro-Brüder.

Der mittlerweile 86-jährige Raul Castro hatte nach zwei Amtszeiten seinen Rücktritt angekündigt. Er bleibt aber Chef der herrschenden Kommunistischen Partei, voraussichtlich bis zum nächsten Parteitag 2021. Sein 2016 verstorbener Bruder Fidel hatte die kubanische Revolution angeführt und stand bis 2008 an der Spitze des Karibikstaates.

Díaz-Canel ist das erste Staatsoberhaupt Kubas, das nach der sozialistischen Revolution 1959 geboren wurde. Tiefgreifende Veränderungen und Reformen werden von dem neuen Präsidenten aber nicht erwartet.

Díaz-Canel arbeitete sich in der Partei drei Jahrzehnte lang nach oben

Er ist ein getreuer Anhänger der Kommunistischen Partei, die laut Verfassung die führende politische Kraft des Landes ist. "Die kubanischen Präsidenten werden stets die Revolution verteidigen. Vor allem brauchen wir Kontinuität", sagte Díaz-Canel zuletzt. Er hatte sich in der Partei drei Jahrzehnte lang nach oben gearbeitet.

Nach seiner Zeit beim Militär machte der Elektroingenieur Karriere beim kommunistischen Jugendverband, war Parteichef in der Provinz und Minister für Hochschulbildung. "Der Genosse Díaz-Canel ist kein Emporkömmling und keine Notlösung", sagte Castro über seinen Wunsch-Nachfolger.

Große Aufgaben für den neuen Präsidenten

Dem neuen Staatschef stehen große Aufgaben bevor. Die begrenzten Marktreformen Raul Castros haben der Wirtschaft bislang nicht aus der Dauerkrise geholfen oder kamen über das Planungsstadium nicht hinaus. Hinzu kommt, dass die sich wieder abgekühlten Beziehungen zu den USA dem Tourismus einen Dämpfer versetzten und dass das selbst in einer tiefen Wirtschaftskrise steckende Venezuela als Unterstützer weggefallen ist.

Auch innerhalb der Partei- und Staatsführung muss sich der bisherige Vizepräsident noch beweisen. Anders als seine Vorgänger Fidel und Raúl Castro, die die Rebellenarmee in Kuba zum Sieg führten, verfügt er nicht über die natürliche Legitimation der historischen Generation der Revolutionäre.

(togr/REU/dpa)