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| 08:22 Uhr

Berlin
Von 128 Jets sollen aktuell nur vier kampftauglich sein

Berlin. Eurofighter können aktuelle Aufträge zwar erfüllen, aber viele fallen wegen technischer Probleme aus. Sechs Piloten haben gekündigt. Rainer Leurs und Gregor Mayntz

Eurofighter können aktuelle Aufträge zwar erfüllen, aber viele fallen wegen technischer Probleme aus. Sechs Piloten haben gekündigt.

Im Herbst musste die Marine eingestehen, dass in der U-Boot-Flotte kein einziges Unterseeboot mehr einsatzbereit ist. Nun macht der hochmoderne Kampfjet Eurofighter Schlagzeilen. Von 128 Jets seien ganze vier kampfbereit, meldete der "Spiegel". Ganz so schlimm sei es nicht, beruhigte ein Luftwaffensprecher. Doch gleichzeitig hat nun ein halbes Dutzend gut ausgebildeter Kampfpiloten gekündigt. Der Frust scheint groß zu sein.

"Ich bin damals zur Luftwaffe gegangen, weil ich unbedingt diese wunderbaren Flugzeuge fliegen wollte", berichtet etwa Nicola Baumann, Vorzeige-Pilotin der Luftwaffe, die sogar schon Flugkommandantin des Jahres war. Nun hat sie der Luftwaffe den Rücken gekehrt, um was Neues anzufangen. Ursprünglich hatte sie die Truppe als "BO-41" eingestellt, also als Berufsoffizierin, die mit 41 in Pension gehen darf. Für Baumann sei dies der "perfekte Plan" und "höchst attraktiv" gewesen. Doch diese Sonderstellungen, mit denen die Bundeswehr die Besten der Besten gewann, sind geschmolzen. Die Aussicht, nach ihrem 41. Lebensjahr noch zwei Jahrzehnte am Schreibtisch sitzen zu müssen, ohne noch fliegen zu dürfen, hat Baumann dazu gebracht, schon mit 33 zu gehen.

Die Luftwaffe bestätigte die Zahl von sechs Kündigungen von Kampfpiloten, betonte jedoch, dass alle mit individuellen Gründen zu tun hätten. Nach Informationen von Bundeswehrexperte Thomas Wiegold sollen auch mehrere Fluglehrer und sogar ein Vize-Geschwaderkommandeur darunter sein. Die Kündigungen hätten in erster Linie mit mangelnden Flugstunden zu tun, weil zu viele Eurofighter zu oft am Boden bleiben müssten.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, dass derzeit sämtliche Aufträge der Luftwaffe, für die die Eurofighter vorgesehen seien, von diesen auch erfüllt werden könnten. Auch die Kündigungswelle bei den Piloten führe nicht dazu, dass die Einsatzbereitschaft der Eurofighter gefährdet sei, versicherte ein Luftwaffensprecher. Bezogen auf das vergangene Jahr standen der Luftwaffe von den 128 Eurofightern durchschnittlich 81 zur Verfügung. Davon seien im Schnitt "39 Luftfahrzeuge einsatzbereit" gewesen, heißt es in einer aktuellen Bestandsaufnahme. Dies entspreche einer materiellen Einsatzbereitschaft von rund 48 Prozent. Aber eben nur, wenn die 81 Jets als Bezugsgröße genommen werden und nicht die 128.

Die Rechnung hat einen weiteren Haken: Wenn als "Einsatz" nur Übungsflüge gerechnet werden oder die Teilnahme an Manövern mit Waffenattrappen, dann ist die "Einsatzbereitschaft" gegeben. Doch sowohl bei den Selbstschutzsystemen als auch bei den Luftkampfraketen gibt es nach Insider-Informationen erhebliche Probleme. An den Sensor-Behältern trete Kühlflüssigkeit aus; ein Ersatzteil zum Abdichten müsse aber nach einer Firmenübernahme erst wieder neu zertifiziert werden, bevor es eingebaut werden könne.

Das bedeute, dass für "heiße" Einsätze, etwa zum Abdrängen anderer Flugzeuge im deutschen Luftraum nur acht bis zehn Maschinen tatsächlich zur Verfügung stehen und für den "echten Kampf" nur vier bis sechs.