ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:23 Uhr

Gefährdungspotenzial
Verfassungsschutz warnt vor Kindern aus islamistischen Familien

Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor Kindern, die in islamistisch geprägten Familien in Deutschland aufwachsen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor Kindern, die in islamistisch geprägten Familien in Deutschland aufwachsen. FOTO: dpa / Oliver Berg
Essen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor Kindern, die in islamistisch geprägten Familien in Deutschland aufwachsen. Unionspolitiker fordern Beobachtung von unter 14-Jährigen.

„Angesichts der Zahl der Minderjährigen und jungen Erwachsenen, die in Deutschland in dschihadistischen Familienverbünden leben und aufwachsen, birgt die dschihadistische Sozialisation ein nicht unerhebliches Gefährdungspotenzial“, heißt es in der Analyse, aus der auch die Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe in ihren Montagsausgaben zitieren.

Ob und wie sich dieses Potenzial gegenüber der nicht dschihadistischen Umwelt manifestiere, könne aufgrund des überwiegend noch sehr jungen Alters der betroffenen Minderjährigen derzeit noch nicht abgeschätzt werden, erklärten die Verfassungsschützer. Festgestellt werden könne jedoch, dass dieses mittel- bis langfristige Phänomen eine kontinuierliche Bearbeitung nicht nur durch die Verfassungsschutzbehörden notwendig mache. Gefahren gingen auch von jenen Familien aus, die nicht in Kampfgebiete in Syrien oder im Irak ausgereist seien, sondern sich kontinuierlich in Deutschland aufgehalten hätten. Der Verfassungsschutz geht von einer niedrigen dreistelligen Zahl islamistischer Familien mit mehreren Hundert Kindern aus.

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen sagte den Funke-Zeitungen, die fortwährende dschihadistische Sozialisation von Kindern durch ein islamistisches familiäres Umfeld sei „besorgniserregend und deshalb auch für den Verfassungsschutz eine Herausforderung in den nächsten Jahren“.

Der CDU-Sicherheitspolitiker Patrick Sensburg empfahl, die Vorschriften zu lockern, um auch Kinder unter 14 Jahren durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Wenn es notwendig sei, auch sie in die Überwachung zu nehmen, müsse dies in den gesetzlichen Grenzen möglich sein, sagte Sensburg den Funke-Zeitungen. „Hier geht es nicht um die Kriminalisierung von Personen unter 14 Jahren, sondern um die Abwehr erheblicher Gefahren für unser Land, zum Beispiel durch den islamistischen Terrorismus, der sich auch Kindern bedient.“

In Nordrhein-Westfalen wird erwogen, nach dem Vorbild Bayerns die Altersgrenze von 14 Jahren für die Überwachung durch den Verfassungsschutz fallenzulassen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, die Jungen und Mädchen, die aus den Kriegsgebieten zurückkehren, hätten oft Gewalt erlebt und seien im schlimmsten Fall radikalisiert. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass sie ein anderes Verhältnis zur Gewalt haben und die Hemmschwelle, Gewalt anzuwenden, geringer ist.“ Die Behörden bräuchten Instrumente, um auch traumatisierte und gewaltbereite Rückkehrer unter 14 Jahren in den Blick nehmen zu können. Erst 2016 war die Altersgrenze von 16 auf 14 Jahren gesenkt worden.

(epd/fh)