Von Tobias Käufer

Am Mittwochmorgen weckte Oppositionsführer Juan Guaido seine Landsleute mit einer neuen Kampfansage. „Wir sind stärker als nie zuvor“, konnten die Venezolaner im Kurznachrichtendienst Twitter lesen und dazu gleich die Treffpunkte für die geplante „Operation Freiheit“ am Mai-Feiertag. Auch nach dem spektakulären Befreiungscoup des Oppositionspolitikers Leopoldo Lopez aus dem Hausarrest am Dienstag mit Hilfe einiger abtrünniger Militärs konnte Guaido die Armeeführung nicht zum Seitenwechsel bewegen. Ihm bleibt nur die Kraft der Straße und des pazifistischen Widerstands gegen das Regime in Caracas.

Lange brauchte Nicolas Maduro, bis er sich der Öffentlichkeit zeigte. Erst am Abend bekamen die Venezolaner ein politisches Lebenszeichen vom sozialistischen Regierungschef zu sehen. „Ich danke der Militärführung für den Mut bei der Verteidigung des Friedens“, sagte er in einer Ansprache. Und er drohte den abtrünnigen Militärs: „Diese Verräter werden ihr Schicksal noch kennen lernen“, sagte Maduro.

Damit geht der Machtkampf zwischen Regierung und Opposition in die nächste Verlängerung. Überlebenskünstler Maduro sicherte einmal die Macht, Guaido rückte wieder ein Stückchen näher ran.

Eigentlich sollte die „Operation Freiheit“ ja ohnehin erst am Tag der Arbeit ihren Lauf nehmen. So hatte Guaido seinen Plan zum Regierungswechsel angekündigt. Dann aber überraschte er Venezuelas regierende Sozialisten und die internationale Öffentlichkeit mit dem „Madrugonazo“ – dem Überraschungscoup in der Morgendämmerung am Tag zuvor. Mit der von ihm angeordneten Befreiung des wegen Rebellion und Anstachelung zur Gewalt verurteilten populären Oppositionspolitikers Leopoldo Lopez aus dem Hausarrest mithilfe von abtrünnigen Militärs hat Guaido die Karten im Machtkampf neu gemischt.

Einige Indizien sprechen für einen weiteren Machtverlust von Nicolas Maduro. Dazu zählt, dass die Opposition weitgehend ungehindert Lopez befreien und der später laut lokalen Medienberichten zunächst in die chilenische und dann in die spanische Botschaft spazieren konnte. Dass Verteidigungsminister Padrino Lopez offen die Anwendung Gewalt zur Niederschlagung des Aufstandes nicht mehr ausschloss, zeigt dass die Nerven der Regierung Maduro zum Zerreißen gespannt sind. Dazu dürfte auch die Aussage von US-Außenminister Mike Pompeo geführt haben: „Es ist lange her, dass jemand Maduro gesehen hat. Er hatte ein Flugzeug auf dem Rollfeld. So wie wir es verstehen, war er bereit, heute Morgen zu gehen. Die Russen haben ihm aber zu verstehen gegeben, dass er bleiben sollte“, sagte Pompeo dem TV-Sender CNN. Ob das allerdings tatsächlich so stimmt, steht auf einem anderen Blatt.