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Syrien-Krieg
USA und Russland machen sich gegenseitig Vorwürfe

Die USA und Russland streiten über Chemiewaffenangriffe in Syrien. Moskau sieht seine Friedensbemühungen behindert, Washington macht Russland für einen mutmaßlichen Giftgasangriff mitverantwortlich. Das syrische Außenministerium kritisiert den Westen.

Russlands stellvertretender Außenminister Sergej Rjabkow hat den USA eine Behinderung der russischen Friedensbemühungen in Syrien vorgeworfen. Die Vereinigten Staaten förderten "manipulierte, unbestätigte Berichte" zum mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in dem Bürgerkriegsland, sagte der Politiker am Mittwoch in einem Interview der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Rjabkows Anmerkungen kamen einen Tag nachdem US-Außenminister Rex Tillerson Moskau für einen neuen mutmaßlichen Giftgasangriff außerhalb der syrischen Hauptstadt Damaskus mitverantwortlich gemacht hatte. Tillerson warf Moskau vor, der syrischen Regierung zu helfen, das Abkommen zum Verbot von Chemiewaffen zu brechen. Zudem müsse Russland damit aufhören, gegen UN-Resolutionen Veto einzulegen, die den Einsatz entsprechender Waffen ahnden. Wenn Moskau eine künftige Resolution nicht stützen könne, solle es sich bei den Abstimmungen enthalten, sagte Tillerson.

Syrien bezeichnete die Vorwürfe zu Chemiewaffenangriffen als inakzeptabel. Das syrische Außenministerium warf westlichen Ländern vor, dass Untersuchungen blockiert und Ermittler nach vorherigen Angriffen unter Druck gesetzt worden seien.

Friedensgespräche in der nächsten Woche

Die USA und Russland hatten 2013 beschlossen, alle Chemiewaffen aus Syrien zu entfernen. Doch hat es seitdem Berichte über mehrere Chemiewaffenangriffe dort gegeben. Im vergangenen Jahr veranlasste ein mutmaßlicher Angriff in Chan Scheichun US-Präsident Donald Trump dazu, zur Vergeltung einen Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt anzuordnen.

In der kommenden Woche wird Russland Friedensgespräche im Syrienkrieg abhalten. Die Veranstaltung in Sotschi wird von der syrischen Opposition in Teilen kritisiert und als Konter zur UN-Friedensinitiative verstanden.

Die geplanten Verhandlungen könnten von den schweren Kämpfen im Nordwesten Syriens überschattet werden. Dort gehen türkische Soldaten und verbündete syrische Kräfte gegen eine kurdische Miliz vor. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan berichtete am Mittwoch von Fortschritten bei dem Einmarsch seines Militärs in der syrisch-kurdischen Enklave Afrin.

Erdogan droht mit weiteren Angriffen

Die Offensive gehe erfolgreich voran und werde fortgesetzt, bis auch der letzte "Terrorist" eliminiert worden sei, sagte Erdogan und drohte erneut, die Offensive auf die von syrisch-kurdischen Kämpfern kontrollierte Stadt Manbidsch rund 100 Kilometer weiter östlich auszudehnen. Der Ärger in der Region werde komplett beseitigt, fügte er hinzu.

Die türkischen Soldaten und verbündete syrische Milizen hätten seit dem Beginn der "Operation Olivenzweig" am vergangenen Samstag mindestens 268 syrisch-kurdische Kämpfer getötet, sagte Erdogan weiter. Die türkischen Truppen hätten dagegen lediglich sieben oder acht Verluste erlitten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den Kämpfen in Afrin mindestens 27 Zivilisten getötet, darunter acht Kinder und vier Frauen. Die meisten von ihnen seien bei türkischen Luftangriffen gestorben.

Die türkische Regierung betrachtet die kurdische Miliz YPG im Norden Syriens als Terrororganisation und wirft ihr Verbindungen zu kurdischen Aufständischen vor, die im Südosten der Türkei kämpfen. Die syrischen Kurden sind in Syrien der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

(wer)