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USA schicken Bomber Richtung Pjönjang

Ein Foto der U.S. Air Force zeigt einen Langstreckenbomber vom Typ Rockwell B-1, der auf dem Andersen Air Force Stützpunkt auf der Insel Guam startbereit gemacht wird.
Ein Foto der U.S. Air Force zeigt einen Langstreckenbomber vom Typ Rockwell B-1, der auf dem Andersen Air Force Stützpunkt auf der Insel Guam startbereit gemacht wird. FOTO: Stäfa Sgt. Joshua Smoot/U.S. Air Force/dpa
Seoul/Washington. Die USA lassen Bomber gen Nordkorea aufsteigen. Das ostasiatische Land erklärt, an einem Raketenangriff auf die Vereinigten Staaten führe jetzt kein Weg mehr vorbei. Auch der verbale Schlagabtausch zwischen Washington und Pjöngjang heizt sich weiter auf. Dirk Godder / dpa/uf

Nach der Entsendung mehrerer Langstreckenbomber und Kampfjets der USA in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea werden die Verbalattacken zwischen beiden Ländern heftiger. US-Präsident Donald Trump verhöhnte den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un am Samstagabend erneut als "Raketenmann" und konterte damit jüngste Angriffsdrohungen aus Pjöngjang. Trotz der Sorge um Nordkoreas Atomprogramm lehnen zwei Drittel der US-Amerikaner einer Umfrage zufolge einen Präventivschlag gegen Nordkorea ab. Dessen Führung mobilisierte Zehntausende Bürger in Pjöngjang zu einer Kundgebung gegen die USA.

"Ich habe gerade den Außenminister von Nordkorea bei der UN sprechen hören. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiederholt, werden sie nicht mehr lange hier sein!", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Er hatte Kim bereits am Dienstag bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen als "Raketenmann auf einer selbstmörderischen Mission" bezeichnet.

Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho hatte in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte offen mit einem Raketenangriff seines Landes auf die USA gedroht. Ein "Besuch der Raketen im gesamten US-Festland ist unvermeidlich geworden", sagte er. Sein Land werde "erbarmungslose, präventive Schritte" ergreifen, wenn die USA versuchten, das Hauptquartier in Pjöngjang oder das Militär Nordkoreas zu "köpfen".

Es sei das erste Mal in diesem Jahrhundert, dass amerikanische Kampfflugzeuge oder Bomber so weit nördlich der entmilitarisierten Zone vor der nordkoreanischen Küste geflogen seien, teilte das Pentagon zu den von der Pazifikinsel Guam entsandten Bombern des Typs B-1B mit. Das unterstreiche, wie ernst die USA das "verwegene Verhalten" Pjöngjangs nähmen.

"Die Mission ist eine Demons-tration amerikanischer Entschlossenheit und eine klare Botschaft, dass der Präsident (Donald Trump) viele militärische Optionen hat, jeder Bedrohung zu begegnen", hieß es weiter.

Von den gut 1000 Befragten hätten 72 Prozent geantwortet, dass sie eher der Führung des US-Militärs als Präsident Trump vertrauten, mit dem Nordkorea-Konflikt verantwortungsvoll umzugehen, berichtete die US-Zeitung "Washington Post" nach einer gemeinsamen Umfrage mit dem TV-Sender ABC. Vergleichsweise wenige 37 Prozent setzen dabei auf Trump.

Lediglich acht Prozent der Befragten trauen Nordkoreas Machthaber ein verantwortungsvolles Handeln zu. Die Umfrage fand zwischen dem 18. und dem 21. September statt und fiel damit zeitlich zusammen mit der Rede Trumps vor den Vereinten Nationen.

Nach Einschätzung der russischen Regierung haben die Raketen- und Atomtests Nordkoreas bereits eine abschreckende Wirkung. "Die Amerikaner werden Nordkorea nicht angreifen, weil sie genau wissen, dass diese eine Atombombe haben", sagte Außenminister Sergej Lawrow dem russischen Fernsehsender NTW am Sonntag. Sollten die USA dennoch angreifen, könne dies zu einer völlig unvorhersehbaren Lage führen, warnte der Chefdiplomat.

In seiner Ansprache konterte Nordkoreas Außenminister die harte Rhetorik Trumps mit ähnlich scharfen Tönen. "Niemand außer Trump selbst ist auf einer selbstmörderischen Mission", sagte Ri, der damit Trumps Angriff auf Kim Jong Un zitierte. Nordkorea befinde sich auf dem Weg zu einer Nuklearmacht und handle dabei auch "verantwortlich." Diesen Status sowie die Fähigkeit eines atomaren Angriffs müsse sich das kommunistisch regierte Land von keinem anderen Staat bescheinigen lassen. "Unser letztes Ziel ist, mit den USA eine Machtbalance herzustellen", sagte Ri, der die jüngsten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats mit verschärften Sanktionen gegen Nordkorea als "ungerecht" kritisierte.

Zum Thema:
Teheran (dpa/uf) US-Präsident Donald Trump hat nach dem iranischen Test einer Mittelstreckenrakete das Atomabkommen mit der Islamischen Republik erneut infrage gestellt. "Der Iran hat gerade eine ballistische Rakete getestet, die in der Lage ist, Israel zu erreichen. Sie arbeiten auch mit Nordkorea zusammen. Mit unserem Abkommen ist es nicht weit her!", twitterte Trump am Samstag. In der UN-Generaldebatte hatte Trump den Iran als "Schurkenstaat" bezeichnet, der Gewalt exportiere, und mit dem Ende des 2015 geschlossenen Atomabkommens gedroht. Ungeachtet der US- Drohungen hatte der Iran nach eigenen Angaben eine Rakete des neuen Typs Choramschahr getestet. Diese kann mehrere Sprengköpfe über 2000 Kilometer transportieren. Die Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Samstag ein Video des Tests. Außenminister Gabriel kritisierte den Test, verteidigte aber zugleich das Atomabkommen mit Teheran. Die Erprobung einer Mittelstreckenrakete sei, sollten die Berichte zutreffen, "keine kluge Aktion" gewesen, sagte Gabriel am Samstag. Teheran betont, das Raketenprogramm diene nur der Verteidigung, und die Raketen könnten keine Atomsprengköpfe tragen.