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| 16:45 Uhr

Beißende Abrechnung
Trump bricht mit seinem Ex-Berater

Da waren sie noch dicke Freunde: US Präsident Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon (r.).
Da waren sie noch dicke Freunde: US Präsident Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon (r.). FOTO: Evan Vucci / dpa
Washington. Donald Trump hielt sich nicht lange bei der Vorrede auf, um seinen einstigen Chefstrategen auf das Format eines drittrangigen Wasserträgers zurecht zu stutzen. Steve Bannon habe nur wenig zu tun gehabt mit seinem, Trumps historischem Sieg bei der Wahl des Jahres 2016. Er habe nichts als den eigenen Ruhm angestrebt. Statt heute die Agenda des „Make America Great Again“ zu unterstützen, stehe ihm der Sinn nur noch danach, alles niederzubrennen, schrieb der Präsident in einer wütenden Replik auf ein Enthüllungsbuch, in dem wiederum Bannon seiner Wut freien Lauf lässt. „Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand“, twitterte der Präsident. Von Frank Herrmann

Im August aus der Machtzentrale entlassen, hatte der Vordenker der nationalistischen Rechten Trump zunächst seine Treue geschworen. Er wolle sich nun erst recht dafür einsetzen, dass nicht verwässert werde, wofür der Mann stehe, ließ er wissen. Von dem damals beschworenen Zweckbündnis ist nicht viel übrig geblieben, und entzündet hat sich die Kontroverse an einem Buch. Es trägt den Titel „Fire and Fury“ („Feuer und Zorn“). Der Autor, der Journalist Michael Wolff, hat sich bei renommierten Magazinen einen Namen gemacht, bei „Vanity Fair“ und „New York“. Geht man nach den Auszügen, die bereits vor dem Verkaufsstart am nächsten Dienstag publik geworden sind, zeichnet er das Porträt eines Spielers, der nicht wirklich damit gerechnet hatte, dereinst im Oval Office zu sitzen. Der verblüfft war, als ihm der Coup gelang. Sogar ein wenig ratlos.

Hätte er gegen Hillary Clinton verloren, schreibt Wolff, wäre Trump nicht nur unglaublich berühmt gewesen, er hätte für den Rest seines Lebens den tapferen Märtyrer im Ringen gegen die Seilschaften der Politik geben können. Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner wären international gefeierte Stars gewesen, dabei hätten sie es alle nur zu gern belassen. „Zu verlieren hieß, zu gewinnen“, bringt es der Autor auf einen Satz. Vor allem aber sind es Zitate Bannons, die für Wirbel sorgen, zumal der Brechstangenrhetoriker mit ihnen die wichtigste Regel des Trump-Imperiums verletzte: Nichts Böses über die Familie zu sagen.

Es geht um Donald junior, den ältesten Sohn des früheren Baulöwen, der eine offenbar gut vernetzte russische Anwältin namens Natalja Weselnizkaja in den New Yorker Trump Tower einlud, um Belastendes über Clinton zu sammeln. Auch Kushner und Paul Manafort, Trumps damaliger Wahlkampfmanager, waren mit von der Partie. Das sei „Verrat, unpatriotisch und übler Mist“ gewesen, sagte Bannon dem Reporter Wolff, dem er im Westflügel des Weißen Hauses die Türen öffnete. Die drei ranghohen Herren, fügte er voller Sarkasmus hinzu, hielten es für eine gute Idee, in einem Besprechungszimmer im 25. Stock des Trump Towers die Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen, und zwar ohne Anwälte. „Selbst wenn Sie glauben, dass es kein Verrat, nicht unpatriotisch und kein übler Mist war, hätten Sie sofort das FBI verständigen müssen.“

Indirekt widerspricht Bannon damit der Darstellung Trumps, wonach es zu keiner Zeit geheime Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland gab. Über Ivanka urteilt er, sie sei „dumm wie ein Ziegelstein“. Und während Robert Mueller, der Sonderermittler der Russlandaffäre, einen Zeugen nach dem anderen vernimmt, prophezeit Bannon, letztlich werde sich alles auf den Vorwurf der Geldwäsche konzentrieren, was etwa für Trumps Ältesten nichts Gutes bedeute. „Sie werden Don jr. aufschlagen wie ein rohes Ei.“

Trump und Bannon, es ist die Geschichte einer Achterbahnfahrt. Im August 2016 hatte der Kandidat den Sohn eines Telefoningenieurs, der Investmentbanker bei Goldman Sachs wurde, mit einer aufs Filmgeschäft spezialisierten Bank in Hollywood mitmischte und schließlich die rechtsnationalistische Online-Plattform Breitbart News dirigierte, zum Spiritus Rector seiner Kampagne gemacht. Die Empfehlung kam von Robert Mercer, einem Hedgefonds-Milliardär. Es war Bannon, der den Slogan „America first“ in den Mittelpunkt rückte. Es war Bannon, der die verbalen Weichen stellte, als Trump am Tag seiner Vereidigung eine zornige Rede hielt, die der politischen Klasse Washingtons die Illusion nahm, dass der Mann rasch auf einen eher traditionell konservativen Kurs einschwenken würde. Erst als Trumps im Hochsommer berufener neuer Stabschef, der Ex-General John Kelly, Ordnung ins Regierungschaos zu bringen versuchte, begann sein Stern zu sinken. Zuletzt rührte er mit bizarren Auftritten in Alabama, in ausgebeulten Hosen und militärisch anmutender Jacke, die Werbetrommel für Roy Moore, einen erzreaktionären Richter, dem selbst republikanische Stammwähler von der Fahne gingen, sodass das konservative Alabama mit Doug Jones einen Demokraten in den US-Senat wählte. In Trumps Augen war es der Moment, in dem Bannon zum „Loser“ wurde, zu einem Verlierer, von dem er sich distanzieren konnte, ohne die Rache seiner Anhänger fürchten zu müssen. Die Sache mit dem Buch, sie war dann wohl nur noch die Krönung.