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| 08:17 Uhr

Berlin
US-Botschafter Grenell irritiert Berlin

Berlin. Der Trump-Intimus will konservative Kräfte in Europa "unbedingt stärken".

Die Bundesregierung und führende SPD-Politiker haben mit Unverständnis auf Äußerungen des neuen US-Botschafters in Berlin, Richard Grenell, reagiert. Grenell hatte der US-amerikanischen Nachrichten- und Meinungswebsite Breitbart gesagt, er wolle konservative Kräfte in Europa stärken. Zudem äußerte er Zweifel am Funktionieren der europäischen Demokratien. "Wir haben die US-Seite um Aufklärung gebeten", sagte dazu ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Grenell macht morgen seinem Antrittsbesuch im Außenministerium. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Ich habe das wie vieles andere auch zur Kenntnis genommen." Sie werde es aber nicht kommentieren. Grenell ist seit Anfang Mai US-Botschafter. Unmittelbar danach hatte er mit der Forderung nach einem Rückzug deutscher Unternehmen aus dem Iran für Ärger gesorgt. Der 51-Jährige sagte nun: "Ich denke, die Wahl von Donald Trump hat die Menschen befähigt zu sagen, dass sie es nicht zulassen können, dass die politische Klasse (in Europa) vor einer Wahl entscheidet, wer diese gewinnt und wer kandidiert." Er sei von vielen Konservativen kontaktiert worden. Der Aufschwung konservativer Ideen sei durch ein Scheitern linker Konzepte zu erklären. Er hob den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz als positives Beispiel jüngerer Konservativer hervor: "Gucken Sie, ich glaube, Sebastian Kurz ist ein Rockstar. Ich bin ein Fan von ihm." Obendrein lud Grenell Kurz bei dessen Besuch am 12. Juni in Berlin zu einem Essen ein.

SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel twitterte: "Europas Bürger lassen sich von einem Trump-Vasallen nicht sagen, wie sie wählen sollen. Ein US-Botschafter, der sich derart in demokratische Auseinandersetzungen einmischt, ist fehl am Platz." Ex-SPD-Chef Martin Schulz sagte, Grenell benehme sich wie ein "rechtsextremer Kolonialoffizier".

(RP)