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| 13:40 Uhr

Hohe Abbruchrate beim Bundesfreiwilligendienst
Jeder dritte „Bufdi“ schmeißt vorzeitig hin

Der Bundesfreiwilligendienstleistende „Bufdi“ Thomas Volk (r), übt an seinem ersten Arbeitstag  mit dem Leiter des Fahrdienstes des Roten Kreuzes in Miesbach (Oberbayern) Manfred Edenhofer (M), sowie dem Statisten Manfred Petermann, wie man einen Gehbehinderten in einen Transporter schiebt. Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt den Zivildienst, den es mit Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 nicht mehr gibt.
Der Bundesfreiwilligendienstleistende „Bufdi“ Thomas Volk (r), übt an seinem ersten Arbeitstag mit dem Leiter des Fahrdienstes des Roten Kreuzes in Miesbach (Oberbayern) Manfred Edenhofer (M), sowie dem Statisten Manfred Petermann, wie man einen Gehbehinderten in einen Transporter schiebt. Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt den Zivildienst, den es mit Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 nicht mehr gibt. FOTO: dpa / Andreas Gebert
Berlin. Jeder dritte Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst bricht seinen Einsatz vorzeitig ab. Dabei ist der Anteil in den alten Bundesländern deutlich höher als im Osten. Das geht aus einer aktuellen Datenübersicht der Bundesregierung hervor, die der RUNDSCHAU vorliegt. Von Stefan Vetter

Die Ursachen dafür sind unklar.

Sie helfen in Altenheimen, betreuen Umweltprojekte und Flüchtlinge oder teilen Essen an Bedürftige aus – der Bundesfreiwilligendienst ist eine feste Größe im sozialen, ökologischen und kulturellen Getriebe der Gesellschaft. Vor nunmehr sieben Jahren im Zuge der Aussetzung der Wehrpflicht ins Leben gerufen, haben bislang insgesamt 307 372 Männer und Frauen in Deutschland einen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Und das offenbar nicht immer zur persönlichen Zufriedenheit. Denn nach Angaben des zuständigen Bundesfamilienministeriums quittierten im Zeitraum zwischen Anfang Juli 2011 und Ende März 2018 genau 98 633 Frauen und Männer vorzeitig den in der Regel zwölf Monate langen Dienst. Die Abbruchquote liegt damit immerhin bei 32 Prozent. Auffällig auch, dass die Rate in den alten Bundesländern mit 35 Prozent deutlich höher ist als im Osten (26 Prozent).

Gründe dafür nennt das Familienministerium nicht. Naheliegend ist, dass zum Beispiel der Erhalt eines Studienplatzes oder die Zusage der gewünschten Lehrstelle eine entscheidende Rolle für die persönliche Umorientierung spielt. „Wenn jedoch fast ein Drittel der Dienstleistenden ihre Stelle vorzeitig aufgibt, muss nach weiteren Ursachen gefragt werden“, meinte die Sprecherin für bürgerschaftliches Engagement der Linken, Katrin Werner, im RUNDSCHAU-Gespräch. Dazu müssten auch „die Qualität des Dienstes, der Arbeitsbedingungen und des Bildungsprogramms auf den Prüfstand gestellt werden“, forderte Werner. Sie hatte die Zahlen von der Bundesregierung angefordert.

Aus der Datenübersicht geht weiter hervor, dass der Bundesfreiwilligendienst im Westen vor allem eine Domäne der Altersgruppe zwischen 16 und 27 Jahren ist. Dagegen sind im Osten nahezu zwei Drittel der „Bufdis“ älter als 27 Jahre. Während der Dienst im Westen meist zur „Orientierungs- und Übergangsphase“ genutzt werde, komme er im Osten häufig als „Alternative zur Erwerbstätigkeit“ in Betracht, mutmaßte die Linken-Politikerin. Dies stelle jedoch „den Bildungscharakter des Dienstes infrage und macht ihn zu einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme“, kritisierte Werner. Deshalb müssten „endlich die Kontrollen zur Einhaltung der Arbeitsmarktneutralität verschärft und dokumentiert werden“, ergänzte die Linken-Politikerin.

In welchem Umfang durch den Bundesfreiwilligendienst womöglich reguläre Jobs verdrängt werden, ist unklar. Das Familienministerium erklärte lediglich, dass es „vereinzelt“ zu entsprechenden Beschwerden komme, denen aber stets nachgegangen werde. Nach den gesetzlichen Vorgaben dürfen die Freiwilligen nur unterstützende und zusätzliche Tätigkeiten verrichten sowie keine hauptamtlichen Kräfte ersetzen. Über die Zahl derer, die vor Dienstbeginn arbeitslos waren, gibt es ebenfalls keine Statistik. Das den „Bufdis“ zustehende Taschengeld liegt nach Regierungsangaben derzeit allerdings nur bei durchschnittlich 267 Euro im Monat.