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| 18:02 Uhr

Studie
Stress am Arbeitsplatz wächst

 Frank Bsirske (l), Vorsitzender der Gewerkschaft verdi, und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, stellen den  Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor.
 Frank Bsirske (l), Vorsitzender der Gewerkschaft verdi, und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, stellen den  Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor. FOTO: dpa / Gregor Fischer
Berlin. Eine aktuelle DGB-Untersuchung zeigt ein gemischtes Bild von der Lage der Beschäftigten. Von Stefan Vetter

Acht von zehn Beschäftigten in Deutschland identifizieren sich sehr stark mit ihrer Arbeit. Mit ihren persönlichen Arbeitsbedingungen sind viele allerdings  deutlich weniger zufrieden. Das geht aus dem neuen „DGB-Index Gute Arbeit“ hervor, der am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde.

„Psychische Belastungen und Arbeitsstress haben durch den digitalen Wandel zugenommen. Dieser Trend muss umgekehrt werden“, forderte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, bei der Vorstellung der Daten. Sie beruhen auf einer repräsentativen Befragung von mehr als 8000 Beschäftigten. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen:

Mitwirkung: Nur die Hälfte der Beschäftigten kann bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit ein Wort mitreden. Auf die Arbeitsmenge haben zwei Drittel kaum oder gar keinen Einfluss. Für 43 Prozent der Erwerbstätigen ist betriebliche Weiterbildung eher ein Fremdwort. Nur jeder fünfte Beschäftigte gibt an, dass sein Unternehmen dies „in sehr hohem Maß“ fördert. Und was die Aufstiegschancen im Unternehmen angeht, so sehen hier mehr als zwei Drittel der Beschäftigten für sich schwarz.

Betriebskultur: Immerhin 68 Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich  von ihrem Vorgesetzten persönlich wertgeschätzt. Nur sechs Prozent gar nicht. Probleme offen anzusprechen  ist für gut die Hälfte der Befragten betrieblicher Alltag. Mehr als jeder Dritte (38 Prozent) ist allerdings mit der Arbeitsplanung unzufrieden.

Arbeitszeit: Arbeit am Wochenende ist für 28 Prozent der Beschäftigten gang und gäbe. Von etwa jedem vierten Beschäftigten wird erwartet, dass er außerhalb der Werktore für betriebliche E-Mails und Anrufe erreichbar ist. Und immerhin 14 Prozent erledigen „häufig“ oder „sehr häufig“ unbezahlte Arbeit.

Arbeitsintensität: Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer (52 Prozent) fühlen sich im Job  gehetzt. Und fast ein Drittel empfinden eine Überforderung, weil verschiedene, kaum miteinander vereinbare Anforderungen auf sie einstürmen. Beinah jeder vierte Befragte weiß sich deshalb auch nicht anders zu helfen, als Abstriche bei der Qualität zu machen, um sein Arbeitspensum zu schaffen.

Einkommen: Knapp zwei Drittel sind mit ihrem Einkommen zufrieden. Nur neun Prozent sagen, es reiche nicht aus. Wesentlich dramatischer ist die Situation, wenn es um die spätere gesetzliche  Rente geht. Hier erwarten  45 Prozent, dass sie damit nicht auskommen werden. Weitere 36 Prozent glauben, dass die Rente gerade so reichen wird. Nur jeder zehnte Beschäftigte macht sich allerdings Sorgen um seinen Job. 90 Prozent dagegen selten oder nie, was wohl vor allem der guten Konjunktur und der positiven Lage am Arbeitsmarkt geschuldet ist.

Ein Schwerpunkt der jährlich vom DGB durchgeführten Befragung waren diesmal Berufe mit besonders intensiven Kontakten zu Menschen wie etwa Patienten oder Klienten. Dabei ist das Gefühl der Beschäftigten in solchen Branchen, etwas Nützliches für die Gesellschaft zu tun, noch stärker ausgeprägt als sonst. Deutlich mehr  dieser „interaktiv Beschäftigten“ klagen aber, dass sich ihre besonderen Anforderungen nicht gebührend im Gehalt niederschlagen. Verdi-Chef Frank Bsirske forderte deshalb eine bessere Entlohnung beispielsweise  von  Pflegekräften und Erzieherinnen.

 Frank Bsirske (l.), Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi, und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, stellen den  Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor.
 Frank Bsirske (l.), Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi, und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, stellen den  Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor. FOTO: dpa / Gregor Fischer