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| 11:02 Uhr

Lausitz
Unternehmer: Strukturwandel in der Lausitz möglich, mit mehr Geld

Dass die Strecke von Cottbus nach Berlin bis Lübbenau nach wie vor eingleisig ist, ist laut dem Unternehmensverband Berlin-Brandenburg ein Unding, besonders mit Blick auf den anstehenden Strukturwandel.
Dass die Strecke von Cottbus nach Berlin bis Lübbenau nach wie vor eingleisig ist, ist laut dem Unternehmensverband Berlin-Brandenburg ein Unding, besonders mit Blick auf den anstehenden Strukturwandel. FOTO: Ch. Taubert
Potsdam. 1,5 Milliarden Euro für alle deutschen Kohlereviere seien zu wenig. Von Benjamin Lassiwe

 In der Lausitz „gibt es eine realistische Chance, einen erfolgreichen Strukturwandel mit neuen Wertschöpfungsketten hinzubekommen.“ Das sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck, am Freitag vor Journalisten in Potsdam. Der Strukturwandel dürfte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden: So sei der von der Bundesregierung für alle vom Kohleausstieg betroffenen Regionen angesetzte Betrag von 1,5 Milliarden Euro „viel zu gering angesetzt.“

Der Betrag müsse deutlich oberhalb dieser Marke angesetzt werden. „Die Lausitz erbringt eine Aufgabe für die gesamte Bundesrepublik“, sagte Amsinck. „Dann muss das auch so behandelt werden, und nicht unter ferner liefen.“ Generell müsse man zuerst Alternativen für die Lausitz entwickeln, und dann darüber reden, wie der Kohleausstieg vorgehen könne. „Nur wenn wir diese Reihenfolge einhalten, werden wir es schaffen, die Menschen vor Ort mitzunehmen.“

Amsinck erinnerte daran, dass in der Lausitz 20 000 industrielle oder industrienahe Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit der Energiebranche verbunden seien. Dies sei ein Viertel der Wirtschaftsleistung Brandenburgs. „Das ist der Maßstab“, sagte Amsinck. „Darunter dürfen wir nicht gehen, wenn wir nicht komplett die Leistungsfähigkeit der Lausitz infrage stellen wollen.“

Amsinck sprach sich für eine engere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in der Region aus. Die BTU müsse als Wissenschaftspartner dort präsent sein, wo die Wirtschaft Entwicklung betreibe. Der Unternehmervertreter stellte ein Konzept von ingesamt fünf Forschungs- und Entwicklungszentren vor, die der Bund in den nächsten Jahren mit rund 100 Millionen Euro fördern sollte. So könnte aus dem Lausitzring ein „Mobilitätscampus“ werden, an dem über die Mobilität der Zukunft geforscht werden könne. Am Standort Schwarze Pumpe und am Chemiezentrum Schwarzheide könnten Studien rund um die Produktion, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff und anderen erneuerbaren Energien entstehen.

Als eine „kluge Idee“ bezeichnete Amsinck den Vorschlag von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), einen Sonderbundesverkehrswegeplan für die Lausitz aufzulegen. „Wir brauchen schnelle Verkehrsverbindungen in alle Himmelsrichtungen“, sagte Amsinck. „Die Lausitz muss stärker an die Wachstumszentren Berlin, Dresden, Leipzig und Breslau herangeholt werden.“

Es sei schwer nachvollziehbar, dass die Strecke Lübbenau-Cottbus immer noch eingleisig ist, erklärte auch Maren Schröder, die als Oberingenieurin des Unternehmens „Züblin Spezialtiefbau GmbH“ auch Vizepräsidentin des Bauindustrieverbandes Ost ist. „Wenn man bedenkt, dass das die wichtigste Schienenanbindung ist, dann ist das eingleisige Fahren das wichtigste Nadelöhr für täglich 6000 Pendler.“

Das Ziel müsse eine Taktverdichtung sein, drei Züge pro Stunde wären erforderlich. Auch eine Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Cottbus und Görlitz wäre angebracht. „Wir brauchen beim Ausbau solcher Projekte viel mehr Geschwindigkeit.“

Daneben mahnten die Wirtschaftsvertreter auch ein stärkeres Engagement in der Qualifikation von Fachkräften an. „Die Lage am Fachkräftemarkt wird immer schwieriger“, sagte Collin von Ettingshausen, kaufmännischer Geschäftsführer der BASF Schwarzheide. Jährlich verließen 30 Prozent mehr Menschen den Arbeitsmarkt in den Ruhestand als junge Menschen nachkämen. Auch die Qualität der Absolventen sei „nicht immer so, wie wir sie uns wünschen.“ Zur Ausbildung von Fachkräften sprach sich von Ettingshausen für die Schaffung eines „Leistungszentrums Lausitz“ aus, das mit neuen Lern- und Lehrkonzepten den künftigen Fachkräftebedarf decken solle.