| 12:24 Uhr

Urteilsverkündung unterbrochen
UN-Tribunal: Angeklagter soll Gift genommen haben

Wegen schwerster Verbrechen im Bosnienkrieg drohen den Angeklagten Haftstrafen von bis zu 25 Jahren. Foto: Robin Van Lonkhuijsen/ANP Pool
Wegen schwerster Verbrechen im Bosnienkrieg drohen den Angeklagten Haftstrafen von bis zu 25 Jahren. Foto: Robin Van Lonkhuijsen/ANP Pool FOTO: Robin Van Lonkhuijsen
Den Haag. Das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien wird heute gegen die ehemalige Führungsriege der bosnischen Kroaten das Urteil im Berufungsverfahren sprechen. dpa

Nach einem dramatischen Zwischenfall ist die Urteilsverkündung des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag gegen sechs bosnische Kroaten unterbrochen worden. Einer der Angeklagten, Slobodan Praljak (72) protestierte nach seiner Verurteilung heftig und schluckte dann eine Flüssigkeit.

Ihr Mandant habe „Gift genommen“, sagte seine Verteidigerin dem Gericht. Daraufhin unterbrach der Vorsitzende Richter die Sitzung. Die Zuschauer konnten nicht sehen, ob der Angeklagte zusammengebrochen war. Richter und Anwälte reagierten bestürzt. Der Mann war zuvor verurteilt worden und hatte dann auf kroatisch erklärt, unschuldig zu sein. Während des Bosnienkrieges (1992-1995) war Praljak Militärchef der bosnischen Kroaten.

Im Berufungsverfahren hatte das Gericht bereits einige Urteile gegen die Führungsriege der bosnischen Kroaten wegen schwerer Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg bestätigt. Sie waren in erster Instanz zu bis zu 25 Jahren Haft verurteilt worden.