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| 07:52 Uhr

Kiew
Ukraine täuscht Mord an Journalisten nur vor

Kiew. Auf einmal stand Arkadi Babtschenko wieder da - nicht tot, sondern höchst lebendig. Auf einer Pressekonferenz beim ukrainischen Geheimdienst SBU in Kiew entschuldigte sich der russische Journalist bei seiner Frau: Er habe dabei mitgemacht, seine Ermordung vorzutäuschen, um mutmaßliche russische Attentäter zu entlarven. Thomas Körbel und Friedemann Kohler

Die ukrainische Regierung und die ukrainische Polizei hatten am Dienstag erklärt, Babtschenko sei mit mehreren Schüssen in den Rücken getötet worden.

Der Coup des SBU wirft viele Fragen auf. Im Konflikt zwischen Russland auf der einen Seite und der Ukraine und dem Westen auf der anderen geht es an vielen Stellen um Glaubwürdigkeit: Was beweist die Anwesenheit russischer Soldaten in der Ost-Ukraine, die Moskau leugnet? Wie stichhaltig können Ermittler belegen, dass 2014 ein russisches Buk-Geschütz 298 Menschen an Bord von Flug MH17 tötete?

"Es ist gefährlich, in einer Welt zu leben, wo die Behörden, wo die Politik die Bürger und die Öffentlichkeit dreist belügen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands DJV, Frank Überall, der Deutschen Presse-Agentur. "In dem Moment, wo wir unseren Regierungsvertretern nicht mehr trauen können, wird es für eine Demokratie sehr gefährlich."

So machte der ukrainische Regierungschef Wladimir Groisman Moskau für den angeblichen Mord verantwortlich. Die "russische totalitäre Maschinerie" habe Babtschenko nicht verziehen, schrieb er. War das ehrlich oder spielte er ein Spiel mit?

"Wir haben einen Mordanschlag auf Babtschenko mit einem Spezialeinsatz verhindert", sagt SBU-Chef Wassili Grizak. Wenigstens einmal wollten ukrainische Behörden nicht hilflos wirken angesichts von Morden und Anschlägen vor ihrer Nase, für die angeblich Moskau verantwortlich ist. Doch ob die Beweise für den Auftragsmord stichhaltig sind, wird sich erst bei einem Gerichtsprozess zeigen.

Der Kriegsreporter Babtschenko war bislang als unbestechlicher, radikal ehrlicher Journalist bekannt. "Das ist nicht nur eine Provokation gegen Russland. Das ist auch eine Provokation Babtschenkos gegen die ganze Journalistenzunft", sagte der Chefredakteur der russischen Zeitung "Moskowski Komsomolez", Pawel Gussew. Seinen Kollegen hat Babtschenko ein Wechselbad der Gefühle beschert. Journalisten trauerten einen Tag lang und analysierten, was der Mord bedeuten könnte.