• Am 21. Februar 2022 hat Russlands Präsident Wladimir Putin die beiden selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk anerkannt
  • Kurz darauf entsendete Putin Truppen in diese Regionen um „Frieden sicherzustellen“
  • Was sind die Separatistengebiete?
  • Was ist der Hintergrund zum Konflikt?
  • In unserem Liveticker lest ihr alle aktuellen Ereignisse zum Konflikt in der Ostukraine

Separatistengebiete anerkannt: Putin schickt Truppen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Unabhängigkeit der pro-russischen Separatisten-Gebiete in der Ostukraine anerkannt und russische Truppen dorthin geschickt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte Putins Entscheidung am späten Montagabend (Ortszeit) als Verletzung der Souveränität seines Landes. Die EU, die USA und Großbritannien kündigten Sanktionen an.
Putin unterzeichnete am Montag nach einer Fernsehansprache zwei Dekrete. Damit erkannte er die selbsterklärten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk an. Diese Entscheidung sei "längst überfällig" gewesen, sagte er in einer Ansprache. Putin forderte das Parlament auf, "diese Entscheidung zu bestätigen und anschließend die Freundschafts- und Hilfsabkommen mit den beiden Republiken zu ratifizieren".
Die Abkommen sehen die Entsendung "russischer Militäreinheiten vor, die zur Aufrechterhaltung des Friedens in der Region und zur Gewährleistung einer dauerhaften Sicherheit für die Parteien erforderlich sind". Die Abkommen sehen ebenfalls "gegenseitige Unterstützung" im Fall eines "Angriffs" sowie den "gemeinsamen Schutz" der Grenzen vor.

Luhansk und Donezk: Was sind die Separatistengebiete?

Die beiden Gebiete Luhansk und Donezk befinden sich ganz im Osten der Ukraine an der Grenze zu Russland. Beide Regionen haben ihre Unabhängigkeit von der Ukraine ausgerufen, als 2014 der Bürgerkrieg begann.

Bürgerkrieg in der Ukraine: Was war passiert?

Die Ukraine war bis 1991 Teil der Sowjetunion (UdSSR). Mit der Auflösung der UdSSR entstanden mehrere unabhängige Staaten, darunter die Ukraine. Bis heute haben viele der Staaten eine komplizierte Beziehung zu Russland. Um sich Schutz vor Russland zu sichern, haben sich Staaten wie Estland, Lettland, Litauen und Polen der Nato zugewandt und sind Mitglieder geworden. Diese Osterweiterung empfindet Russland als Bedrohung.
Die Ukraine ist kein Mitglied der Nato. Seit Jahren gibt es aber verstärkte Bestrebungen, sich dem Bündnis anzuschließen bzw. sich stärker zur EU hinzuwenden. Der Konflikt begann Ende 2013, als es in der Ukraine zu Massenprotesten kam. Die Proteste rührten daher, dass die ukrainische Regierung gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung entschieden hat, ein Abkommen mit der EU zu stoppen. Die Proteste gingen von November 2013 bis Februar 2014 und tragen heute den Namen „Euromaidan“. Bei einer Eskalation der Euromaidan-Proteste gab es schwere Zusammenstöße, es starben viele Menschen, die Regierung wurde ab 22. Februar 2014 abgesetzt.
Aus Sorge vor einer Annäherung der Ukraine an den Westen entzündete sich ein neuer Konflikt im Osten des Landes und insbesondere auf der Halbinsel Krim. Diese Teile des Landes wollten nämlich weiterhin eine positive Beziehung zu Russland haben – was letztlich dazu führte, dass sich Teile der Ostukraine abzuspalten versuchten. Im März 2014 gab es auf der Krim ein umstrittenes Referendum, nachdem eine Mehrheit der Bevölkerung befürwortete, Teil von Russland zu werden. Wladimir Putin machte somit Nägel mit Köpfen und annektierte die Krim. Der Westen verurteilte dies als völkerrechtswidrig.
Seither herrscht im Osten der Ukraine ein Bürgerkrieg zwischen dem westlich-orientierten und dem pro-russischen Teil der Bevölkerung.
Weitere Informationen zum Hintergrund des Krieges in der Ostukraine gibt es in diesem Text:

Separatistengebiete: Was bedeutet das?

Luhansk und Donezk, die Regionen im Donbass, in denen die Front im Bürgerkrieg verläuft, sind sogenannte Separatistengebiete. Sie werden von den Separatisten angeführt – das bedeutet, von einer Gruppe, die sich von der Ukraine lösen möchte. Seitdem Russland die Gebiete als unabhängig anerkannt hat, können sie offiziell von militärischer Unterstützung profitieren. Bisher war bekannt, dass Russland die Separatistengebiete unterstützt, auch militärisch, doch war das nicht offiziell. Denn die Präsenz von russischen Truppen in Luhansk und Donezk wird von der Ukraine als Invasion Russlands gesehen. Nach der Anerkennung der Separatisten-Gebiete in der Ostukraine durch Moskau hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Verletzung der Souveränität seines Landes durch Russland angeprangert.
Die Separatisten, die in Donzek und Luhansk die Führungen übernommen haben, repräsentieren nicht das ukrainische Volk, dass dort lebte oder noch immer lebt. Einem Bericht der UN-Menschenrechtskommission aus 2014 zufolge handelt es sich in den Regionen um eine Gewalt- und Terrorherrschaft. Seit Beginn des Bürgerkrieges ist die Bevölkerung auf rund die Hälfte geschrumpft. Die Separatisten haben von Beginn an Unterstützung aus Russland bekommen.