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| 02:40 Uhr

Überrascht von der Brutalität

Wer hört hier auf welches Kommando: Angela Merkel im Kreis von Polizisten, Zollbeamten und Mitarbeitern des Roten Kreuzes – mit Hund.
Wer hört hier auf welches Kommando: Angela Merkel im Kreis von Polizisten, Zollbeamten und Mitarbeitern des Roten Kreuzes – mit Hund. FOTO: dpa
Hamburg. Trotz langer Vorbereitungen auf den G20-Gipfel in Hamburg sind die Sicherheitsbehörden von der Brutalität der Proteste überrascht worden. Man habe es "mit skrupellosen Gewaltakten von Kriminellen" zu tun gehabt, "die wir in dieser konkreten Form nicht an jeder Stelle vorhergesehen haben. dpa/sm

Und die - glaube ich - auch niemand vorhersehen konnte", sagte Innensenator Andy Grote (SPD) am Sonntag in Hamburg. Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz räumte ein, dass es nicht gelungen sei, so für die Sicherheit zu sorgen, wie man sich das vorgestellt habe. "Das erschreckt jeden, mich auch. Das bedrückt jeden, mich auch." Der SPD-Politiker ergänzte: "Wir haben schlimme Bilder gesehen. Und diesen schlimmen Bildern liegen schlimme Taten zugrunde."

Scholz zeigte sich betroffen, dass sich über den Kreis der brutalen Gewalttäter hinaus viele Menschen an den Krawallen beteiligt hätten. Man habe erlebt, "dass es ganz viele gibt, die dann auf dieser Welle mitgeritten sind". Sie hätten offenbar in einer "Partylaune" Flaschen auf Polizeibeamte geworfen, Geschäfte zerstört und geplündert. "Das ist eine Verrohung, die ich völlig inakzeptabel finde, und gegen die wir uns gemeinsam stellen sollten."

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer wies aber auch darauf hin, dass es bei dem bisher größten Einsatz der Hamburger Polizei gelungen sei, die Sicherheit des Treffens "mit den zahlreichen Störversuchen" bis zum Schluss zu gewährleisten. Ihn bedrücke jedoch, dass es nicht gelungen sei, Verletzungen der Einsatzkräfte zu vermeiden und den Schutz des Eigentums der Hamburger Bürger umfassend zu gewährleisten.

Rund um das Treffen der großen Wirtschaftsmächte war es zu heftigen Krawallen von Autonomen gekommen. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt 37 Haftbefehle gegen Verdächtige erwirkt. 476 Beamte seien verletzt worden. Mehr als 20 000 Beamte waren laut Polizeipräsident Meyer im Einsatz. Es sei "alles, aber auch wirklich alles Menschenmögliche an Vorkehrungen getroffen" worden. Mit Blick auf den Streit um Übernachtungscamps für G20-Kritiker betonte Meyer, für die Polizei sei es wichtig gewesen, "keine Schlafstätten für militante Ex tremisten" in Hamburg zu haben; das sei aber nicht gelungen. Es sei schwierig, wenn "Täter ohne Bezug zum Gipfel" an unterschiedlichen Stellen der Stadt in einer "Kleingruppentaktik" agierten.

Zum Thema:
Nach den schweren Krawallen loten Hamburg und der Bund rasche Hilfen und Entschädigungen für Opfer der Verwüstungen aus. Die entsprechenden Gespräche haben nach Angaben des Finanzministeriums am Sonntagmorgen begonnen. Art und Umfang der von Kanzlerin Angel Merkel (CDU) und Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) in Aussicht gestellten Hilfen für Vandalismus-Opfer sind noch unklar. Zunächst geht es um eine Bestandsaufnahme der Schäden. Als schwierig gelten auch Abgrenzungsfragen. Daher ist auch eine Größenordnung der Hilfen derzeit nicht absehbar. Während und nach dem zweitägigen Gipfel wurden von Randalierern zahlreiche Autos in Brand gesteckt, Geschäfte geplündert, Fenster eingeschlagen sowie Fassaden und Straßen massiv beschädigt.