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Razzien
Türkische Ärzte nach Kritik an Syrien-Offensive festgenommen

Ein Fahrzeug der türkischen Armee fährt am Grenzübergang Oncupinar unter türkischen Fahnen entlang.
Ein Fahrzeug der türkischen Armee fährt am Grenzübergang Oncupinar unter türkischen Fahnen entlang. FOTO: Lefteris Pitarakis/AP/dpa
Wegen Kritik am Militäreinsatz in Syrien hat die türkische Polizei Razzien gegen zahlreiche Ärzte durchgeführt. Führende Mitglieder des türkischen Ärztebunds TTB sind festgenommen worden.

Über die Festnahmen vom Dienstag berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der Präsident des Türk Tabipleri Birligi und sieben weitere Mitglieder seien in Gewahrsam genommen worden. Die Staatsanwaltschaft habe insgesamt elf Haftbefehle gegen Mitglieder des Ärzteverbandes erlassen, hieß es weiter.

Die Festnahmen erfolgten, nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogan Mitglieder des Ärztebunds wegen ihrer Kritik an der türkischen Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz in Nordsyrien als "Terroristen-Liebhaber" beschimpft hatte.

Die TTB hatte in der vergangenen Woche eine Erklärung verbreitet, in der sie unter anderem vor "irreparablen Schäden" durch Krieg warnten und Krieg als ein "Problem der öffentlichen Gesundheit" bezeichneten. Zum Schluss der Erklärung hieß es: "Nein zum Krieg. Frieden, jetzt sofort!"

Anwältin Özcelik sagte, Grund für die Festnahme sei diese Erklärung gegen den Krieg. Die Vorwürfe gegen die Ärzte seien "völlig rechtswidrig".

Reporter ohne Grenzen spricht von "Hexenjagd gegen Kritiker"

Die Regierung geht gegen Kritik an der am 20. Januar begonnenen Offensive vor und hat angekündigt, dass "terroristische Propaganda" strafrechtlich verfolgt werde. Vergangene Woche seien 311 Personen festgenommen worden, da sie verdächtigt würden, in sozialen Netzwerken "terroristische Propaganda" gemacht zu haben, indem sie den Militäreinsatz kritisiert hätten, teilten Behörden am Montag mit.

Die Türkei betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als "Terroristen". Die kurdischen Kämpfer haben in Nordsyrien mit Unterstützung der USA Erfolge im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat erzielt.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen bezeichnete die Festnahmen als "Hexenjagd gegen Kritiker".

Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sind bei dem Einsatz bislang in Afrin 61 Zivilisten ums Leben gekommen und in türkischen Grenzstädten drei. Zudem seien fünf türkische Soldaten getötet worden.