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| 02:38 Uhr

Trumps Drohungen schlagen in Berlin Wellen

Donald Trump (l.) während des Interviews mit "Bild" und "Times" in seinem Büro.
Donald Trump (l.) während des Interviews mit "Bild" und "Times" in seinem Büro. FOTO: dpa
Berlin. Bisher bekam die Bundesregierung vor allem über Twitter Einblick in Trumps Welt. Jetzt wendet er sich ausführlicher an die deutsche Öffentlichkeit – per Zeitungsinterview. Das gibt den Zweiflern neue Nahrung. Werner Kolhoff

Das muss dem Ego von Donald Trump geschmeichelt haben: Ein paar Sprüche daheim in New York, schon stürzen deutsche Autowerte in Europa ab und die Politik in Berlin rotiert. Das erste Interview des künftigen US-Präsidenten mit zwei europäischen Medien - neben der "Bild"-Zeitung noch der Londoner "Times" - hat Wellen geschlagen.

Vor allem Trumps Drohung, für jedes Auto, das in sein Land importiert wird, 35 Prozent Einfuhrsteuer zu erheben, löste Besorgnisse aus. Sie war gekoppelt mit der Beschwerde, dass das Verhalten der deutschen Exportwirtschaft "sehr unfair" sei. "Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland", frage der künftige US-Präsident.

BDI-Chef Dieter Kempf warnte Trump: "Wer Wertschöpfungsketten zerschlägt, bremst Innovation und verteuert Produktion; das kostet Wohlstand und Chancen." Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, wies Trump darauf hin, dass mehr als der Hälfte der Fahrzeuge, die die deutschen Hersteller in den USA fertigten, von dort aus in den Export gingen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) äußerte ähnlich wie der USA-Beauftragte der Bundesregierung, Jürgen Hardt (CDU), die Erwartung, dass das amerikanische Parlament Trump bremsen wird. Und zu Trumps Hinweisen auf die Handelsungleichgewichte sagte der Vizekanzler trocken: Wenn die Amerikaner mehr Autos in Europa verkaufen wollten, "müssen sie bessere Autos bauen".

Freilich gibt es in Berlin die Sorge, dass Europa und die USA in einen Handelskrieg rutschen könnten. SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel sagte der RUNDSCHAU, Trump sei für eine zeitgemäße Handelspolitik "eine schwere Hypothek". Er werde zum Armutsrisiko für amerikanische Arbeitnehmer, wenn er die USA in die wirtschaftliche Isolation führe. Allerdings, Deutschland müsse sich nicht klein machen. "Deutschlands Industrie ist stark und insbesondere die Automobilwirtschaft die wettbewerbsfähigste der Welt", so Schäfer-Gümbel.

Der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, sagte auf Anfrage, die Bundeskanzlerin müsse Trump so schnell wie möglich treffen. "Schwierige Gespräche, die man auf die lange Bank schiebt, werden nur noch schwieriger."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mahnte ebenfalls zur Einhaltung internationaler Abkommen. "Wir gehen davon aus, dass unser amerikanischer Partner sich auch weiterhin an die völkerrechtlichen Verpflichtungen und die WTO-Regeln hält", so der designierte deutsche Bundespräsident.

Aufregung gab es auch um die Nato-Passage des Interviews. Trump hatte das transatlantische Bündnis kurzerhand für "obsolet" erklärt, weil die meisten Mitgliedstaaten nicht genug zahlten und sich das Bündnis nicht um den Terrorismus gekümmert habe. Allerdings hat das Wort "obsolete" im Englischen eine leicht andere Bedeutung: Es meint eher "veraltet". Gleichwohl hat die Nato-Spitze den Spruch "mit Besorgnis" aufgenommen, wie Steinmeier nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg in Brüssel berichtete. Aus seinem Amt wurde allerdings darauf hingewiesen, dass Trumps designierter Außenminister Rex Tillerson sich bisher ganz anders geäußert habe.

Der Amerikabeauftragte Hardt sagte unter Hinweis auf seine Gespräche mit US-Republikanern: "Seitens des Senats und Kongresses wird man eine Aufgabe der amerikanischen Rolle in der Nato nicht zulassen." Allerdings müssten die Europäer künftig mehr Geld für ihre Verteidigung ausgeben.

Scharf war Trump in dem Interview auch mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik ins Gericht gegangen. "Sie hat einen äußerst katastrophalen Fehler gemacht." Merkels Sprecher Steffen Seibert ließ sich dadurch freilich nicht herauslocken. Die Kanzlerin habe das Interview "mit Interesse" gelesen, sagte er nur. "Nun warten wir die Amtseinführung ab."