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Trump setzt neue Standards politischer Niveaulosigkeit

epaselect epa05579102 Democrat Hillary Clinton (R) and Republican Donald Trump (L) during the second Presidential Debate at Washington University in St. Louis, Missouri, USA, 09 October 2016. The third and final debate will be held 19 October in Nevada. EPA/JIM LO SCALZO +++(c) dpa - Bildfunk+++
epaselect epa05579102 Democrat Hillary Clinton (R) and Republican Donald Trump (L) during the second Presidential Debate at Washington University in St. Louis, Missouri, USA, 09 October 2016. The third and final debate will be held 19 October in Nevada. EPA/JIM LO SCALZO +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Jim Lo Scalzo (EPA)
Washington. Wann immer man glaubt, der Tiefpunkt sei nun erreicht im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, belehrt Donald Trump das Publikum eines Besseren. In St. Louis, bei der zweiten TV-Debatte mit Hillary Clinton, hat der von vielen in der eigenen Partei mittlerweile zum Schmuddelkind erklärte Milliardär neue Standards politischer Niveaulosigkeit gesetzt. Frank Herrmann

Und das nicht in erster Linie wegen seiner Pseudo-Reue in Sachen sexueller Belästigung von Frauen. Die hatte man erwartet, in all ihrer Unaufrichtigkeit. Trump kann einfach nicht anders: Er muss prahlen über sich und Frauen dabei als Objekte demütigen und hinterher gegen andere austeilen.

Frösteln ließ der fast schon von Verzweiflung geprägte Auftritt des Geschäftsmannes, der in den Umfragen eindeutig hinten liegt, auch nicht durch die lawinenhaft vorgebrachten falschen oder übertriebenen Wirklichkeitsbeschreibungen. Dass Amerikas Innenstädte in jeder Hinsicht ein absolutes Desaster sind, wie er behauptet, ist einfach Unsinn. Es ist vor allem sein bedenkliches Demokratie-Verständnis, das einen nach dieser Debatte schockiert.

Hillary Clinton in Serie ohne jeden belastbaren Fakt der Lüge zu bezichtigen und ihr ein Herz voller Hass anzudichten, ist bereits weit über dem Zulässigen. Ihr für den Fall, dass Trump die Wahl gewinnt, mit einem Sonderermittler zu drohen und sie wegen ihrer E-Mail-Affäre ins Gefängnis stecken zu lassen, bricht dagegen mit allen Konventionen.

Was Trump hier unzweideutig ankündigt, trägt autokratische Züge. Indem er auf seinem machohaften Feldzug gegen Clinton ohne Zögern die Gewaltenteilung ignoriert und über die Unabhängigkeit der Gerichte einfach hinweg schwadroniert, entpuppt sich der Unternehmer als ein Mann, der die Grundsätze der Demokratie nicht akzeptiert. Der Staat und die Wahrheit und das Maß aller Dinge, das schein für ihn nur einer zu sein - Donald J. Trump. Es hat etwas von einer Bananenrepublik, wie er die Dinge sieht. Im Präsidentenamt der Vereinigten Staaten hat er schlicht nichts zu suchen.