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Erste Rede zur Lage der Nation
Trump beschwört einen "neuen amerikanischen Augenblick"

In seiner ersten Rede zur Lage der Nation fordert US-Präsident Donald Trump Republikaner und Demokraten zu mehr Zusammenarbeit auf. Das Land müsse gemeinsam ein "sicheres, stolzes Amerika" aufbauen. Außerdem kündigte er an, das Gefangenenlager Guantánamo offenzuhalten.

"Heute Abend ruf ich alle von uns auf, Differenzen zu beenden, eine gemeinsame Grundlage zu suchen, und die Einheit zu erreichen, die wir benötigen, um Ergebnisse für die Menschen zu liefern, die uns gewählt haben", sagte Trump am Dienstag in Washington. Trump lobte die gute konjunkturelle Verfassung der USA. Die Wirtschaft lege zu und an den Aktienmärkten gebe es Rekorde. Seit der Präsidentschafts-Wahl seien 2,4 Millionen Arbeitsplätze in den USA entstanden. "Nach Jahren stagnierender Löhne sehen wir nun steigende Löhne", fügte Trump hinzu.

Der Präsident appellierte an alle Bürger des Landes, wie eine Familie zusammenzustehen. Sie alle seien "ein Team, ein Volk, eine amerikanische Familie". Alle sollten zusammen an dem Ziel arbeiten, ein "sicheres, starkes und stolzes Amerika" zu bauen, sagte er in seiner Rede vor beiden Kammern des Kongresses.

In seiner ersten "State of the Union"-Rede forderte Trump eine neue Aufbruchstimmung in den Vereinigten Staaten. "Dies ist unser neuer amerikanischer Augenblick", sagte der Präsident im Kapitol. "Es hat nie eine bessere Zeit gegeben, um damit zu beginnen, den Amerikanischen Traum zu leben."

Die Rede kontrastierte mit der polarisierenden Rhetorik früherer Trump-Ansprachen und vieler seiner Botschaften im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Präsident verzeichnet ein Jahr nach Amtsantritt weiter historisch niedrige Umfragewerte. Fast zwei Drittel der Befragten sagten in einer vergangenen Woche veröffentlichten Erhebung der Quinnipiac-Universität, dass Trump die Nation spalte und nicht eine. Er selbst hatte sich zuletzt nach Erscheinen des Enthüllungsbuches "Fire and Fury" als erfolgreich, genial und intelligent bezeichnet.

Demokratinnen tragen Schwarz - Melania Trump Weiß

Trump kündigte unter anderem eine Gefängnisreform an. Die solle helfen, ehemaligen Insassen "eine zweite Chance" zu geben. Außerdem forderte Trump den Kongress auf, die Grundlage dafür zu schaffen, dass mindestens 1,5 Billionen US-Dollar in neue Infrastruktur-Projekte investiert werden können.

Die Demokraten im Kongress setzten während der Ansprache auf eine spezielle Kleiderwahl. Fast alle Demokratinnen trugen die Farbe Schwarz, um sich mit der #MeToo-Bewegung zu solidarisieren. Viele männliche Politiker trugen Buttons mit dem Aufdruck #Time's Up, um sich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz auszusprechen.

First Lady Melania Trump hingegen erschien in einem weißen Hosenanzug des französischen Modehaus Dior, den sie mit einer weißen Bluse des italienischen Labels Dolce & Gabbana kombinierte.

Guantánamo wird nicht geschlossen

Fast zeitgleich mit Beginn der Trump-Ansprache veröffentlichte das Weiße Haus eine Ankündigung zum Strafgefangenenlager Guantánamo. Das Lager werde nicht geschlossen. Eine entsprechende Anordnung habe der Präsident unterzeichnet, so das Weiße Haus.

In der Pressemitteilung hieß es, die Haftbedingungen in Guantánamo seien "legal, sicher und menschlich". Weder gegen das US-Recht noch gegen internationale Richtlinien werde verstoßen. In der Vergangenheit hatte Ex-Präsident Barack Obama vergeblich versucht, das Gefangenenlager zu schließen.

(juju)