Glockenläuten zur letzten Ehre für Kurt Biedenkopf: In der Dresdner Frauenkirche haben am Freitag etwa 300 geladene Gäste Abschied von dem ersten sächsischen Ministerpräsidenten und CDU-Politiker genommen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Politiker als Ideengeber und intellektuellen Vordenker. „Mit Kurt Biedenkopf verabschieden wir heute einen der anregendsten, im besten Sinn einflussreichsten und originellsten Politiker, die unsere Republik gekannt hat.“

Trauerstaatsakt in Dresden mit Unionskanzlerkandidat Armin Laschet

Zu dem Trauerstaatsakt kamen auch Unionskanzlerkandidat Armin Laschet sowie die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU). Unter den Trauergästen waren neben führenden Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur auch Familie, Weggefährten und Freunde. Auch Biedenkopfs Witwe Ingrid hatte in der ersten Reihe Platz genommen.
„Unser Land hat einen besonderen Menschen und großen Staatsmann verloren“, sagte Laschet in seiner Ansprache. Er würdigte Biedenkopfs Verdienste für die CDU, aber auch für Sachsen – etwa den Aufbau als Halbleiterstandort Mitte der 1990er-Jahre. „Er war ein Visionär, aber kein Fantast“, so Laschet.

Dresden

Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer gedachte Biedenkopf

Sachsens Regierungschef Kretschmer gedachte Biedenkopf als Menschen, dem „wir in Sachsen und Deutschland viel zu verdanken haben.“ Ihm sei es gelungen nach 1990 in Sachsen „für Demokratie zu lehren, ohne selbst belehrend zu sein.“
Der Rechtsprofessor Kurt Biedenkopf stammte aus Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz. 1973 wurde er Generalsekretär der CDU, avancierte dann aber zum Rivalen des damaligen Vorsitzenden Helmut Kohl (1930 bis 2017).
Nach dem Ende der DDR bewarb sich der Jurist um das Amt des Ministerpräsidenten in Sachsen. Die CDU regierte mit „König Kurt“ bis 2002 mit absoluter Mehrheit.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht auf einem Trauerstaatsakt in der Frauenkirche zu den Gästen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht auf einem Trauerstaatsakt in der Frauenkirche zu den Gästen.
© Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Biedenkopf war der richtige Mann zur richtigen Zeit

In Sachsen sei Biedenkopf mit seinen Fähigkeiten „der richtige Mann zur richtigen Zeit“ gewesen, betonte Bundespräsident Steinmeier. Der Bundespräsident hatte seine am Donnerstag begonnene Reise in die Slowakei verkürzt, um bei der Trauerfeier dabei sein zu können.
Trotz nicht ganz freiwilligem Rückzug vom Amt blieb der einstige „West-Import“ Biedenkopf seiner Wahlheimat und der Politik verbunden, arbeitete wieder als Rechtsanwalt in Dresden und publizierte. Er war von 1990 bis 2002 Regierungschef in Sachsen.
Am 12. August starb Biedenkopf mit 91 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in der Landeshauptstadt – und wurde bereits im engsten Familienkreis beigesetzt.