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| 08:57 Uhr

Jerusalem
Tote bei Protesten in Gaza

Jerusalem. Zur Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel ist die Gewalt zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Armee eskaliert. Mindestens 41 Menschen starben.

Zur Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel ist die Gewalt zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Armee eskaliert. Mindestens 55 Menschen starben.

Für die Israelis ein historischer Schritt, für die Palästinenser ein Auslöser größten Zorns: Die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem hat die bislang blutigsten Zusammenstöße zwischen israelischen Grenzschützern und Palästinensern im Gazastreifen ausgelöst. Mindestens 55 Palästinenser wurden nach palästinensischen Angaben bei Massenprotesten erschossen, zu denen die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas aufgerufen hatte. Es gab mehr als 2800 Verletzte. US-Präsident Donald Trump bezeichnete per Twitter die mit der Anerkennung Jerusalems als israelischer Hauptstadt verbundene Verlegung der US-Botschaft als "großartigen Tag für Israel". In einer Videobotschaft zur Eröffnung sagte er, die USA sähen sich weiter dem Ziel verpflichtet, eine Friedenslösung im Nahost-Konflikt zu vermitteln.

Der Umzug der US-Botschaft fällt zeitlich mit den israelischen Feiern des 70. Jahrestags der Staatsgründung zusammen. Für die Palästinenser ist dagegen der 15. Mai der Tag der großen Katastrophe, der "Nakba" - wegen der Vertreibung vieler palästinensischer Familien aus dem heutigen Israel. Zahlreiche Nachkommen leben bis heute in Flüchtlingslagern in den palästinensischen Autonomiegebieten und arabischen Nachbarstaaten.

Trump selbst nahm an der Eröffnung nicht teil. Zur US-Delegation gehörten seine Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner sowie Finanzminister Steve Mnuchin. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem "glorreichen Tag". International war die Entscheidung Trumps scharf kritisiert worden. Deutschland lässt seine Vertretung in Tel Aviv. Andere Länder wollen sich den USA allerdings anschließen und ihre Botschaften ebenfalls verlegen.

Schon Stunden vor der Eröffnungs-Zeremonie spielten sich 70 Kilometer entfernt an der israelischen Westgrenze gespenstische Szenen ab: Palästinenser, von der Hamas-Führung zum Durchbrechen der israelischen Blockade aufgefordert, zündeten Autoreifen an und rannten teilweise Steine werfend auf die israelischen Grenzanlagen zu. Israelische Soldaten schossen - wie angedroht - mit scharfer Munition. Das israelische Militär teilte mit, drei Palästinenser seien beim Versuch erschossen worden, in der Grenzstadt Rafah eine Bombe am Grenzzaun zu legen. Zudem seien Trainingscamps der Hamas aus der Luft angegriffen worden. Zuvor habe es drei Feuergefechte zwischen Extremisten und Soldaten gegeben. Etwa 40.000 Palästinenser beteiligten sich nach Schätzung des Militärs an den Protesten.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich besorgt über die hohe Zahl der Toten und Verletzten. Einige EU-Außenminister bezeichneten den US-Botschaftsumzug als unklugen Schritt, der Öl ins Feuer gieße. Eine "ohnehin bereits angespannte Lage wird aufgeheizt", sagte der irische Außenminister Simon Coveny. Sein niederländischer Kollege Stef Blok sagte: "Wir betrachten die Verlegung nicht als eine kluge Entscheidung." Tschechien, Ungarn und Rumänien blockierten eine gemeinsame Erklärung der EU dazu.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Nissim Issacharoff, hat eine Ausweitung des Jugendaustauschs zwischen beiden Ländern gefordert. "Das muss eines unserer strategischen Ziele sein", sagte Issacharoff bei einem festlichen Mittagessen in der Düsseldorfer Staatskanzlei zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel. Zuvor hatte auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Bedeutung der jungen Generation für die Beziehung zwischen den beiden Ländern hervorgehoben. An dem Essen nahmen insgesamt rund 60 Gäste teil, darunter viele amtierende Landesminister und alle noch lebenden früheren Ministerpräsidenten.

(RP)