Nachdem Russland in die Ukraine einmarschiert ist und der Krieg begann, sind auch hier schnell die Folgen bemerkbar geworden. Innerhalb weniger Wochen stiegen die Preise für Benzin und Diesel auf den höchsten Stand jemals. Um Bürgerinnen und Bürger zu entlasten hat die Bundesregierung dann ein Entlastungspaket geschnürt. Dazu gehörte auch der sogenannte Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Kraftstoffe wurde gesenkt, damit die Preise an der Tankstelle gedrückt werden. Aber: Diese Maßnahme soll nicht für immer gelten.

Wie viel billiger ist Tanken wegen des Tankrabatts?

Zu Beginn der Einführung des Tankrabatts am 1. Juni hat es viele Befürchtungen gegeben, dass die Mineralölkonzerne die Vergünstigung nicht an die Endverbraucher weitergeben würden. Das hat sich jedoch nicht bewahrheitet: Laut ADAC vergünstigt der Tankrabatt den Preis an den Zapfsäulen um 35 Cent pro Liter.
Inklusive Mehrwertsteuer sank für Diesel die Energiesteuer um 16,7 Cent pro Liter, für Superbenzin um 35,2 Cent pro Liter. Dies wurde laut einer ersten RWI-Untersuchung im Juni "im Wesentlichen" von den Konzernen an die Autofahrer weitergegeben.
Das RWI nutzt für die Auswertung den Vergleich der Spritpreise zwischen Deutschland und Frankreich. Die im Juni noch hohe Differenz der Super-E10-Preise nahm demnach im Juli und August sukzessive ab: Sie schrumpfte von 29 Cent je Liter im Juni auf knapp 25 Cent im Juli und auf nur noch rund 15 Cent im August.
Im Vergleich der Monate Mai (vor dem Tankrabatt) und August ergibt sich laut RWI eine Differenz von rund 18,5 Cent. Diese Differenz betrage nur etwa die Hälfte der steuerlichen Entlastung von rund 35 Cent pro Liter Superbenzin - und "deutet darauf hin, dass der Tankrabatt bei Superbenzin E10 von preistreibenden deutschlandspezifischen Faktoren überlagert wurde".
Beim Diesel ist von den preisdämpfenden Wirkungen des Tankrabatts an der Zapfsäule sogar kaum mehr etwas zu spüren. Fiel die Differenz zum Vergleichswert in Frankreich im Juni noch deutlich aus, so drehten sich die Verhältnisse im Laufe des Juli um: Die Dieselpreise sind in Deutschland mittlerweile wieder höher als in Frankreich.

Tankrabatt 2022: Wann steigen die Spritpreise wieder?

Die Preise sind also durch die Absenkung der Energiesteuer an der Zapfsäule gesunken. Doch damit ist bald wieder Schluss: Der Tankrabatt gilt nur noch bis zum 31. August. Danach wird die Energiesteuer wieder in vollem Umfang erhoben – was zu steigenden Spritpreisen führen wird. Das wird vermutlich nicht direkt zum 1. September spürbar sein. Eher sollten sich Verbraucher darauf einstellen, dass im Laufe des Septembers die Preise in die Höhe gehen.

Wie viel teurer wird Sprit im Herbst 2022?

Aktuell kostet Diesel in Deutschland durchschnittlich 2,00 Euro/Liter, Super E10 ist deutlich günstiger bei rund 1,70 Euro/Liter. Erwartet wird, dass sich die Preise um etwa 35 Cent für Benzin und 17 Cent für Diesel verteuern könnte. Ganz genau kann das aber keiner sagen, da es auch vom Ölpreis abhängt – der gerade viel schwankt. Stimmen die Vermutungen, dann kostet Benzin nach Auslaufen des Tankrabatts 2,05 Euro/Liter, Diesel springt auf 2,17 Euro/Liter.

Wird der Tankrabatt doch verlängert?

Wenige Wochen vor dem Auslaufen des Tankrabatts hofft der Vorsitzende des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost weiter auf eine Verlängerung. „Ich kann mir vorstellen, dass das letzte Wort da noch nicht gesprochen ist“, sagte der Verbandsvorsitzende Hans-Joachim Rühlemann mit Blick auf die politischen Entscheidungen. Andernfalls könnten die Kraftstoff-Preise wieder auf bis zu 2,40 Euro und 2,50 Euro steigen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte sich gegen eine Fortsetzung ausgesprochen.
Angesichts stark steigender Energiepreise hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gefordert, den auslaufenden Tankrabatt zu verlängern. „Ich bin für die Fortsetzung“, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das helfe „vor allem Pendlern, die nun einmal viel unterwegs sein müssen“. Nötig sei zudem ein ausgeweitetes Wohngeld, eine Deckelung der Strompreise sowie die steuerliche Entlastung auch von mittleren Einkommen. Auch in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ sprach er sich dafür aus, den Tankrabatt zu verlängern.

Entlastungspakete 2022: Das hat es schon gegeben

Bei der Frage nach neuen Entlastungspaketen lohnt sich nochmal ein Blick darauf, was es schon alles gegeben hat. Hier die Liste der Maßnahmen, die es 2022 gegeben hat oder die noch in der Umsetzung sind:
  • Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger
  • Energiepauschale
  • 9-Euro-Ticket
  • Tankrabatt
  • Kindergeld-Bonus
  • Hartz-IV-Bonus
  • ALG-I-Bonus
  • Erhöhung des Mindestlohns
  • Wohngeldreform
  • Einführung des Bürgergelds
  • Steuer-Entlastungen
  • Erhöhung des Kindergelds
  • Abschaffung der EEG-Umlage