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| 15:25 Uhr

Bis zum Jahr 2060
Studie: Kirchen verlieren die Hälfte ihrer Mitglieder

Potsdam. (iwe) Die beiden großen Kirchen müssen sich auch in der Lausitz bis zum Jahr 2060 auf eine Halbierung ihrer Mitgliederzahlen einstellen. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Studie, die das Freiburger Forschungszentrum Generationenverträge (FFG) für die 20 evangelischen Landeskirchen und die 27 katholischen Diözesen in Deutschland erstellt hat. Von Benjamin Lassiwe

Bereits bis 2035 werden beide großen Kirchen demnach 22 Prozent ihrer Mitglieder verlieren. Für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) bedeutet das, von derzeit 960 000 auf deutlich unter 500 000 Gemeindeglieder in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen zu rutschen. Denn wie der leitende Jurist der Ekbo, Konsistorialpräsident Jörg Antoine, auf RUNDSCHAU-Anfrage  mitteilte, rechne man mit einer Entwicklung entsprechend dem bundesweiten Trend. Das katholische Bistum Görlitz, das in den zurückliegenden Jahren entgegen dem allgemeinen Trend durch Zuzüge aus Polen gewachsen ist, kennt nach Angaben eines Sprechers die genauen Zahlen für sein Gebiet noch nicht und wollte sich deswegen am Donnerstag noch nicht äußern.

„Wir dürfen diese Entwicklung nicht schönreden“, sagte das Mitglied im Rat der EKD, der frühere Vorsitzende der Unternehmensleitung der Boehringer Ingelheim AG, Prof. Andreas Barner, als die Studie kürzlich Journalisten vorab präsentiert wurde. „Für die Kirchen ist es fünf vor zwölf.“ Man habe noch Zeit zu handeln, müsse diese aber nutzen. Für den Mitgliederrückgang nennt die Studie vor allem zwei Gründe: Den Sterbeüberschuss – in den nächsten Jahren werden erheblich mehr Kirchenmitglieder sterben als Kinder geboren werden oder neue Mitglieder nach Deutschland zuziehen. Bis 2060 werden auf diese Weise 21 Prozent der Kirchenmitglieder verloren gehen. Der größere Mitgliederverlust wird nach FFG-Angaben aber auf andere Faktoren zurückgehen: den Verzicht auf die Taufe von Kindern oder der Austritt von enttäuschten Mitgliedern. Das seien Dinge, die aber beeinflussbar sind.“ Folgen hat die Mitgliederentwicklung auch auf die Kirchensteuer: Durch die Steigerungen beim Lohnniveau werden die Kirchen wie 2017 zwar auch 2060 noch rund zwölf Milliarden Euro aus der Kirchensteuer erlösen. Um sich die Dinge leisten zu können, die sie heute mit zwölf Milliarden Euro finanzieren, wären dann allerdings rund 25 Milliarden erforderlich. Beide großen Kirchen werden also erhebliche Sparanstrengungen unternehmen müssen. „Die Freiburger Studie zeigt, vor welchen Herausforderungen die Evangelische Kirche in den kommenden Jahrzehnten stehen wird“, sagt der Konsistorialpräsident der Ekbo, Jörg Antoine. „In den vergangenen Jahren haben wir in der Ekbo daran gearbeitet, mit Reformprojekten und neuen Ideen unsere Botschaft besser zu vermitteln.“ Gleichzeitig stelle man sich auf zurückgehende Mitgliederzahlen ein. „Eine hierzu eingesetzte Strukturkommission der Ekbo hat Vorschläge erarbeitet, an denen wir weiter arbeiten werden.“