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Stimmen zum Dieselstreit
Ohne Lkw im Moment nicht denkbar

Die Fachgemeinschaft Bau Berlin-Brandenburg warnt vor der überstürzten Ausweitung von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge. Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau, erklärt: Beate Möschl

„75 Prozent der Berliner und Brandenburger Baubetriebe nutzen Dieselfahrzeuge. Die überstürzte Einführung von Fahrverboten würde somit quasi einem Bauverbot in Innenstädten wie Berlin oder Potsdam gleichkommen. Zudem ist gerade auch für den überregionalen Einsatz von Fahrzeugen und Baumaschinen entscheidend, dass bundesweit einheitliche Regelungen statt regionaler Einzelentscheidungen gelten.“ Gleichzeitig weist der Verband bei der Einführung neuer Standards auf einen Zeithorizont mit Augenmaß hin.

Reinhold Dellmann weiter: „Um Umstrukturierungen bei Fahrzeugen und Baumaschinen für die Unternehmer auch betriebswirtschaftlich planbar zu gestalten, sind sinnvolle Übergangsfristen von mindestens fünf bis sieben Jahren geboten. Ausnahmegenehmigungen für größere Lkw und selbstfahrende Baumaschinen sind dabei unumgänglich.“ 

Jürgen Hampel, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses der Industrie- und Handelskammer Cottbus, Präsidiumsmitglied der IHK Cottbus  und Inhaber der Schradener Hampel-Transporte GmbH, die seit Jahren  im Ladungs- und Schwerlastverkehr unterwegs ist, sagt:

„Eine Versorgung der Innenstädte ohne Lkw ist im Moment nicht denkbar. Die Entwicklung von Elektro-Lkw ist noch nicht  weit genug, um einen dieselfreien Verkehr mit Lkw zu ermöglichen. Für die gesamte Bauwirtschaft und Schwerlasttransporte ist das derzeit überhaupt nicht realisierbar, Innenstädte nicht anzufahren, dann dürfte in Innenstädten nicht mehr gebaut werden. Entweder wollen wir eine kontinuierliche Lieferung oder saubere Luft. Dann müssen Wirtschaftsabläufe neu koordiniert werden und wieder Zentrallager eingerichtet werden  vor den Toren von Ballungszentren, in denen umgepackt wird auf umweltfreundlichere Lieferfahrzeuge. Wer die Schwerlasttransporte aus den  Innenstädten  raus haben will, darf dort nicht mehr bauen.“

Hampel geht davon aus, dass schon viele deutsche Unternehmen ihre Fahrzeugflotte auf höhere Abgasnormen umgestellt haben.  Auf  die Logistikunternehmen, die  in der  Lausitz und den neuen Ländern unterwegs sind, sieht der Verkehrsunternehmer weniger Probleme zurollen, „denn bis auf Berlin haben wir hier nicht solche Ballungsräume wie  Stuttgart oder München.“