Von Ellen Hasenkamp

Es gibt wohl nicht viele Politiker aus Ländern außerhalb der EU, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) so oft getroffen hat wie den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Am Freitag war es wieder einmal so weit. Es sei die inzwischen 16. Begegnung, stellte der Ukrainer nicht ohne Stolz nach seinem Gespräch mit Merkel im Kanzleramt fest. Und die Kanzlerin betonte ihrerseits die „sehr enge Beziehung“ zu Poroschenko.

Alles Routine, so die Botschaft, an der beiden Seiten gelegen war – wenn auch aus etwas unterschiedlichen Gründen. Denn natürlich war der Empfang für den Staatschef kurz vor der ukrainischen Präsidentschafts-Stichwahl alles andere als ein normales Treffen. Poroschenko konnte sich in Berlin noch einmal als der erfahrene Amtsinhaber präsentieren, der beste internationale Kontakte pflegt.

Ein paar schöne Bilder mit der daheim durchaus angesehenen Merkel können da nicht schaden. Mehrfach bedankte sich der Präsident bei der Kanzlerin; für die Gastfreundschaft, für ihre generelle Unterstützung, für die deutsche Rolle in EU und G7, für die Pflege ukrainischer Soldaten in deutschen Krankenhäusern, für die Hilfe bei der Dezentralisierung. Hört gut zu, liebe Wähler, so der Subtext des Präsidenten, das alles steht am übernächsten Sonntag auch auf dem Spiel.

Der seit knapp fünf Jahren amtierende Poroschenko muss um die Wiederwahl zittern. In Umfragen liegt er deutlich hinter seinem Herausforderer, dem Komiker Wolodimir Selenski, der die erste Runde vor zwei Wochen klar gewonnen hatte.

Merkel bemühte sich ebenfalls, den Besuch nicht allzu sehr wie Wahlkampfhilfe aussehen zu lassen. „Wichtig ist, dass wir im Gespräch bleiben“, betonte sie, womit aber offen blieb, warum das ausgerechnet kurz vor der Stichwahl sein musste. Bereits nach der ersten Wahlrunde hatte Merkel umgehend mit Poroschenko telefoniert und anschließend per Pressemitteilung alle Welt wissen lassen, dass sie ihm unter anderem „zum Einzug in die zweite Runde“ gratuliert habe.

Rundum begeistert von Poroschenko und seiner Politik ist Merkel nicht. Auch am Freitag mahnte sie, dass beispielsweise in Sachen Transparenz und Korruptionsbekämpfung „mit Sicherheit nicht ein Ende des Weges“ erreicht sei. In der fragilen Lage nach der russischen Annexion der Krim und der Eskalation im Osten des Landes dürfte die Kanzlerin aber froh sein, bei Poroschenko zumindest zu wissen, woran sie ist. Ein politisch unerfahrener Schauspieler wäre dagegen ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Ihr Vorgehen ist aber nicht ohne Risiko; auch Selenski und seine Leute werden sich im Falle eines Wahlsiegs daran erinnern.