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Ein Mann lebt im Rheinland
Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen fünf ehemalige KZ-Wächter

Buchenwald bei Weimar war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden.
Buchenwald bei Weimar war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. FOTO: dpa, msc pzi dna
Wegen der Beihilfe zu Mord hat die Staatsanwaltschaft Erfurt Ermittlungen gegen fünf ehemalige SS-Wachmänner des Konzentrationslagers Buchenwald aufgenommen. Ein Beschuldigter kommt aus dem Rheinland.

Die Beschuldigten sind zwischen Juni 1921 und November 1925 geboren, also heute zwischen 92 und 96 alt. Sie leben in Thüringen, Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und dem Rheinland, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf Anfrage. Bisher sind sie noch nicht vernommen worden. Die Vorwürfe lauten auf Beihilfe zum Mord, bestätigte eine Sprecherin der Behörde gegenüber der "tageszeitung".

Ausgelöst wurden die Verfahren durch Recherchen der Zentralen Stelle zur Aufklärung von Nazi-Verbrechen im baden-württembergischen Ludwigsburg. Deren Leiter Jens Rommel sagte der Zeitung, die Beschuldigten seien in der "Spätphase" von Buchenwald dort eingesetzt worden, also 1944/45.

Buchenwald bei Weimar war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Von 1937 bis zum April 1945 waren dort etwa 266.000 Menschen inhaftiert. 56.000 von ihnen wurden ermordet.

Neue Rechtsauffassung ermöglicht Urteile wegen Beihilfe zum Mord

Zusammen mit den fünf Erfurter Verfahren hat die Zentrale Stelle in den vergangenen Monaten damit insgesamt 14 Ermittlungen an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Die neuen Fälle sind das Ergebnis von Abgleichungen zwischen Listen ehemaliger SS-Bediensteter in Konzentrationslagern und Nachforschungen darüber, ob Betroffene noch am Leben sind.

Eine neue Rechtsauffassung ermöglicht seit 2016 Urteile wegen Beihilfe zum Mord gegen KZ-Personal auch dann, wenn diesem kein individueller Mord nachgewiesen werden kann.

Rommel sagte weiter, seine Behörde betreibe derzeit Vorermittlungen gegen SS-Personal aus den Konzentrationslagern Neuengamme, Bergen-Belsen, Mittelbau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, Flossenbürg, Groß Rosen und Mauthausen.

Zudem bedenkt die Zentrale Stelle nach Angaben Rommels eine Ausweitung der Recherchen auf weitere Massenverbrechen, etwa bei den Einsatzgruppen in der Sowjetunion oder bei "Räumungen" jüdischer Ghettos im besetzten Polen.

(gaa)