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| 17:36 Uhr

Schwarz-orange in Bayern perfekt
Söders Etappe und Seehofers Finale

Es wird Zeit: Für Horst Seehofer (l.) und Markus Söder stehen wichtige Entscheidungen an.
Es wird Zeit: Für Horst Seehofer (l.) und Markus Söder stehen wichtige Entscheidungen an. FOTO: dpa / Sven Hoppe
München. Die schwarz-orange Koalition in Bayern steht, am Dienstag soll der Ministerpräsident gewählt werden. dpa

Für Markus Söder müssen dies harte Wochen gewesen sein. Kein Interview, kein großer Fernsehauftritt, nur einzelne knappe Äußerungen vor den Kameras. Nichts sollte sein großes Ziel gefährden, nach dem CSU-Absturz bei der Landtagswahl im Eiltempo eine Koalition mit den Freien Wählern zu schmieden und den Weg für seine Wiederwahl im Landtag zu ebnen. Am Dienstag soll es soweit sein.

Für Söder aber war‘s das noch lange nicht. Denn sobald er im Landtag die Eidesformel mit dem „So wahr mir Gott helfe“ gesprochen haben wird, wird in der CSU voraussichtlich das nächste einschneidende Kapitel beginnen. Überschrift: Rücktritt des Parteivorsitzenden, Einberufung eines Sonderparteitags mit Wahl eines neuen Vorsitzenden.

Quasi niemand in der CSU zweifelt mehr daran, dass die Tage von Horst Seehofer an der Parteispitze gezählt sind. Und inzwischen zweifeln auch immer weniger daran, wer Seehofers Nachfolger werden dürfte: Markus Söder. Die Chancen des einzigen weiteren potenziellen Kandidaten, Manfred Weber, scheinen zuletzt merklich gesunken zu sein – und das, bevor sich auch nur einer der beiden überhaupt erklärt hat.

Aber der Reihe nach. Fakt ist: In den vergangenen drei Wochen, seit dem CSU-Landtagswahl-Absturz auf nur noch 37,2 Prozent, hatte erst einmal die Bildung einer neuen Regierung in Bayern Vorrang – da waren sich Seehofer, Söder und die CSU-Spitze einig. Söder, der die CSU als Spitzenkandidat in die historische Wahlpleite geführt hatte, musste alle Kraft darauf verwenden, die Koalitionsverhandlungen mit den Freien Wählern schnell und geräuschlos über die Bühne zu bringen. Eine wichtige Prüfung für ihn, das wusste er. Denn zwar stehen die Freien Wähler der CSU politisch sehr nahe. Ein leichter Partner sind ihr Chef Hubert Aiwanger & Co. aber nicht. Deshalb fiel wohl schon eine Last von Söder, als er verkünden konnte: „Wir sind durch.“

Doch auch die weitere Taktung ist herausfordernd. Nach den Beratungen der Parteigremien am Sonntag soll am Montag der Koalitionsvertrag unterzeichnet werden, dem folgt dann die konstituierende Sitzung des neuen Landtags. Am Dienstag Söders Wiederwahl im Landtag, dann irgendwann die Benennung der weniger gewordenen CSU-Minister und die Vereidigung des neuen Kabinetts.

Vor allem aber wartet die gesamte CSU nun auf den Tag X. Den Tag, an dem - davon gehen mittlerweile eigentlich alle in der Partei aus – Seehofer seinen Rücktritt vom Parteivorsitz erklären wird. An der Parteibasis, in der Bundestagsgruppe und der Landtagsfraktion sowieso hat der 69-Jährige keinen Rückhalt mehr.

Hinter den Kulissen ist die Diskussion um Seehofers Erbe seit Wochen in vollem Gange. Inzwischen läuft sie aber klar auf Söder zu – auch wenn sich Manfred Weber, der Fraktionschef der christdemokratischen Parteienfamilie EVP im Europaparlament, eine Kandidatur offenhält: Ich habe „gezeigt, dass ich in der Lage bin, meine Aufgaben in Europa und für die CSU gut zusammenzubringen“, zitiert ihn die „Bild am Sonntag“. Und: Die CSU müsse sich „als Mannschaft breit aufstellen und verschiedene Strömungen verkörpern“.

Zunächst aber hat Weber andere Prioritäten: Er bewirbt sich um die EVP-Spitzenkandidatur für die Europawahl, die Entscheidung darüber fällt am 8. November. Weber will nächster EU-Kommissionspräsident werden. Das genau wäre aber mit dem CSU-Parteivorsitz nicht vereinbar, argumentieren viele in der CSU. Verwiesen wird auf den Verhaltenskodex der Kommission, nach dem eine „Führungsaufgabe“ in einer nationalen Partei mit einem Kommissionsamt unvereinbar sei.

Hinzu kommt: Eine breite Mehrheit der Basis wünscht sich, wenn man sich in den Bezirken umhört, sowieso Söder. Die beiden Ämter, Ministerpräsident und Parteichef, müssten wieder in eine Hand, lautet die Standardargumentation. Und mittlerweile glauben viele, dass Söder am Ende zugreifen wird – auch wenn der Parteivorsitz für ihn nie Priorität gehabt hat, sondern Bayern. Wenn die CSU so laut nach ihm rufe, werde Söder sich dem nicht verschließen können, heißt es. Kaum jemand zweifelt mehr daran, dass der Franke am Ende zugreifen wird.