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| 07:37 Uhr

Fragen & Antworten Zum Insektensterben
So sollen die Bienen in Deutschland gerettet werden

Ohne Insekten stirbt die Natur. Die Alarmsignale aus den Bienenstöcken haben endlich die Politik erreicht.
Ohne Insekten stirbt die Natur. Die Alarmsignale aus den Bienenstöcken haben endlich die Politik erreicht. FOTO: Patrick Seeger / dpa
Berlin. Bundesumweltministerin Svenja Schulze legt einen Aktionsplan gegen das Insektensterben vor.

Lange Zeit wurde dem Problem kaum Bedeutung beigemessen. Weil Insekten für viele Menschen nur lästige Tierchen sind. Inzwischen jedoch hat das Insektensterben dramatische Ausmaße angenommen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will nun Bienen und Co. mit einem Aktionsprogramm retten, das sie am Mittwoch in die Ressortabstimmung gegeben hat. Es liegt unserer Redaktion vor. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie steht es um die Insekten in Deutschland?

Fast drei Viertel aller Tierarten hierzulande sind Insekten. Aber: Wissenschaftlich belegt ist laut Programm, dass es einen extremen Rückgang sowohl bei der Gesamtzahl als auch bei der Artenvielfalt gegeben hat. Forscher haben herausgefunden, dass innerhalb der letzten 27 Jahre die Insektenbiomasse um mehr als 75 Prozent abgenommen hat. Bei dieser Messmethode werden Insekten regelmäßig gefangen und dann insgesamt gewogen. Besonders betroffen sind die Wildbienen. Inzwischen stehen 53 Prozent der Wildbienenarten auf der roten Liste.

Warum sind Insekten so wichtig?

Sie sind die wichtigsten Bestäuber für die heimische Pflanzenwelt: Rund 80 Prozent der Vegetation sind für ihre Fortpflanzung auf die Dienste von Bienen, Schmetterlingen und Co. angewiesen. Ohne sie gäbe es zum Beispiel kaum Obst oder Gemüse. In dem Programm heißt es, der Verlust wirke sich damit auch unmittelbar auf die Menschen aus. Außerdem sind Insekten Nahrungsgrundlage für andere Tiere wie Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien und Fische. Ergo: Durch das Insektensterben werde „die Natur insgesamt aus dem Gleichgewicht“ gebracht, so Schulze.

Wo liegen die Ursachen des Insektensterbens?

Laut Aktionsprogramm ist vor allem die übermäßige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und anderen Pestiziden die Hauptursache für das Insektensterben.  Hinzu kommt der Verlust der Strukturvielfalt zum Beispiel bei Blühpflanzen.

Was plant Schulze?

Schulze will die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln in ökologisch wichtigen Arealen wie Wasserschutzgebieten deutlich verringern, womöglich verbieten. Außerdem soll mit einer „systematischen Minderungsstrategie“ der Einsatz von Glyphosat deutlich eingeschränkt werden, um die Anwendung so schnell wie möglich  zu beenden. Das sieht auch der Koalitionsvertrag von Union und SPD vor. Sollte Schulze tatsächlich Verbote beabsichtigen, droht Streit mit der Union.

Welche Maßnahmen will die Ministerin noch angehen?

Stichwort „Lichtverschmutzung“: Schulze will auf insektenfreundliche Lichtquellen umstellen lassen. Hierzu sollen Fördermöglichkeiten überprüft und Empfehlungen für Länder, Kommunen, Unternehmen und Private erarbeitet werden. Da sich zudem zahlreiche Lebensräume von Insekten in einem schlechten Zustand befinden, soll es spezielle Anreize geben, damit beispielsweise Land- und Forstwirte sich stärker für den Insektenschutz einsetzen. Welche, da bleibt das Aktionsprogramm unkonkret. Alles in allem hofft Schulze „auf viele Mitstreiter – in der Politik, aber auch in den Gärten und auf den Balkonen“.

Wie steht es ums Geld für mehr Insektenschutz?

In dem Aktionsprogramm wird eingeräumt, dass „die Unterfinanzierung des Naturschutzes in Deutschland ein Hemmnis für den Insektenschutz“ sei. Allerdings würden EU-Mittel dabei eine zentrale Rolle spielen. Die Bundesregierung will sich daher „für eine Verbesserung der EU-Naturschutzfinanzierung einsetzen“. Außerdem will Schulze verstärkt national Modellprojekte zum Insektenschutz fördern. ⇥Lokales Seite 11