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Berlin
So könnte Schwarz-Rot regieren

Die Union wirbelt in ihrer Ministerriege einiges durcheinander - de Maizière muss gehen. Die SPD bekommt drei Schlüsselressorts. Kristina Dunz und Birgit Marschall

Angela Merkel gilt nicht als Plaudertasche. Aber nach dieser harten Verhandlungsnacht mit der SPD will sie doch etwas "verraten". Es geht um den erbitterten Streit, welche Partei welches Ministerium in einer künftigen großen Koalition bekommt. Die Sozialdemokraten haben der Bundeskanzlerin und CDU-Chefin gleich drei Schlüsselressorts abgetrotzt: Außen, Arbeit und Soziales sowie zusätzlich Finanzen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Olav Gutting twittert: "Puuuh! Wir haben wenigstens noch das Kanzleramt!"

Merkel sagt zur Ressortverteilung, an der die Verhandlungen beinahe noch gescheitert wären: "Das war keine einfache Frage." Es falle der CDU schwer, nach der erfolgreichen Zeit von Finanzminister Wolfgang Schäuble dieses Ressort an die Sozialdemokraten abzugeben. Auf der anderen Seite mache sie sich aber überhaupt keine Sorgen, dass die SPD zu viel Einfluss bekommen könne. Schließlich habe sie schon von 2005 bis 2009 als Regierungschefin ein Kabinett gehabt, in dem SPD-Politiker das Finanzministerium - und im übrigen ebenfalls das Außen- sowie das Arbeitsministerium - geführt hätten. Bekanntlich stürzte die SPD bei der Bundestagswahl 2009 auf 23 Prozent ab.

Merkel hält laut Plänen, die nach dem Abschluss des Koalitionsvertrags gestern Mittag gefasst wurden, ihr Versprechen ein, das Kabinett zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Schmerzhaft ist für sie, dass ihr treuer Innenminister Thomas de Maizière gehen muss, weil seinen Posten - um die Bereiche Heimat und Bau erweitert - CSU-Chef Horst Seehofer bekommen soll. Und problematisch könnte noch werden, dass nach der bekannt gewordenen Ministerliste der bisherige Finanzstaatssekretär Jens Spahn nichts wird. Er gehört zu Merkels schärfsten Widersachern, da hätte eine Einbindung in die Kabinettsdisziplin für Ruhe sorgen können.

Bemerkenswert ist, dass Merkels Favoritin für ihre Nachfolge, die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, nicht Bundesministerin werden soll. Es deutete sich früh an, dass sich Kramp-Karrenbauer erst einmal nicht auf einem Bundesposten von der Konkurrenz verheizen lassen möchte, bis der Wechsel an der Spitze wirklich naht.

Martin Schulz, der als Außenminister gehandelt wird, gibt am Abend offiziell bekannt, dass er den SPD-Vorsitz an SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles abgeben will. Das könnte die bevorstehende Mitgliederbefragung der SPD zu einer neuen Groko erleichtern. Nahles wird als größeres Schwergewicht gegen Merkel empfunden. Nebenbei: beide Frauen schätzen sich. Schulz sagt noch: In Parteien sind Inhalte auch mit Personen verbunden. Er steht für Außen.