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Russischer Ex-Spion
Skripal wohl an seiner Haustür vergiftet

Ein Polizisten steht vor der Eingangstür zu Sergej Skripals Haus.
Ein Polizisten steht vor der Eingangstür zu Sergej Skripals Haus. FOTO: rtr, DJM/PAS
Exklusiv | London. Der bei einem Anschlag schwer verletzte russische Ex-Spion Sergej Skripal ist nach Erkenntnissen der britischen Ermittler an seinem Haus vergiftet worden. Skripal und seine Tochter Julia seien wahrscheinlich an ihrer Eingangstür mit dem Nervengift Nowitschok in Kontakt gekommen.

Das sagte Polizeikommissar Dean Haydon am Mittwoch. Dort sei die höchste Konzentration des Giftes festgestellt worden. Die Ermittler konzentrierten ihre Arbeit deshalb jetzt auf die Wohnung und deren Umfeld.

Bislang hatten sich die Behörden nicht dazu geäußert, wo die Skripals vergiftet worden sein könnten. Untersucht wurden unter anderem ein Pub, ein Restaurant und ein Friedhof in Salisbury.

Russland bestreitet Verwicklung

Großbritannien macht Russland für den Anschlag mit dem noch in der Sowjetunion entwickelten Gift verantwortlich. London hat ebenso wie später andere westliche Staaten russische Diplomaten ausgewiesen.

Russland bestreitet jede Verwicklung. Skripal und seine Tochter liegen in ernstem Zustand im Krankenhaus.

May begrüßte im Gespräch mit Trump die Ausweisung von 60 russischen Geheimdienstleuten aus den USA als "sehr starke Antwort".

Europapolitiker der CDU kritisieren die österreichische Regierung dafür, dass sie nach dem Giftanschlag auf Skripal keine russischen Diplomaten ausweisen will. Der Außenexperte Elmar Brok sagte der "Bild"-Zeitung, alle EU-Staaten hätten gemeinsam handeln müssen. "Dass Österreich auf Neutralität pocht, ist absurd, schließlich geht es um Solidarität für ein EU-Land, in dem ein offensichtlich von Russland befohlener Giftanschlag verübt wurde." Der Europa-Abgeordnete David McAllister sagte, alle EU-Staaten inklusive Österreich sollten volle Solidarität zeigen.

Mehrere EU-Staaten weigern sich, sich den Ausweisungen von Botschaftspersonal anzuschließen. Dazu gehören Österreich, Luxemburg, Griechenland, Bulgarien, Slowenien, Zypern, Malta, Portugal und die Slowakei. Gründe sind zumeist die unklare Beweislage, aber auch die teilweise engen wirtschaftlichen Beziehungen und diplomatische Erwägungen.

"Nicht der Weisheit letzter Schluss"

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte am Dienstag getwittert, man wolle "Brückenbauer zwischen Ost und West sein und Gesprächskanäle nach Russland offenhalten". Außenministerin Karin Kneissl bekräftigte am Mittwochabend in der Nachrichtensendung ZiB 2 die neutrale Position Österreichs und signalisierte Bereitschaft zur Vermittlung zwischen Moskau und London, "wenn wir gefragt werden".

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte, der "Süddeutschen Zeitung", die Ausweisung von Diplomaten sei "nicht der Weisheit letzter Schluss". Damit werde eine Eskalationskaskade in Gang gesetzt, die uns noch sehr schaden kann", warnte er.

Er habe zwar Verständnis für das Bemühen um Solidarität mit Großbritannien, in der Europäischen Union und in der Nato. Er forderte aber zugleich, "dass endlich konkrete Beweise für die russische Verantwortung auf den Tisch gelegt werden". Zu den westlichen Werten gehöre auch das Prinzip, dass "Anschein und Plausibilität allein zu einer Verurteilung nicht reichen".

(csr)