Es ist ein besonders tragisches Stück Weltgeschichte, das sich in Afghanistan in diesen Tagen abspielt. Es ist eine Katastrophe für die Menschen dort – und viele, die die mühsam erkämpften Freiheiten in den vergangenen 20 Jahren für sich genutzt haben, werden dies mit dem Leben bezahlen müssen. Und es ist eine Kapitulation, nicht nur der afghanischen Armee, deren Weigerung, ihr Blut für eine korrupte Regierung und eine ungewisse Zukunft herzugeben, man durchaus nachvollziehen kann, sondern auch eine Kapitulation des Westens insgesamt. Die Taliban werden diesen Propagandaerfolg nach Kräften ausschlachten.

Die Aufbauarbeit zerfällt zu afghanischen Staub

Natürlich geht es jetzt zunächst darum, so viele Menschen wie möglich rasch und wohlbehalten aus dem Land zu holen. Die Bundeswehr und ihre Spezialkräfte müssen nun zeigen, dass sie das können und dass stimmt, was Außenminister Heiko Maas (SPD) vollmundig angekündigt hat: „Wir sind für alle Szenarien vorbereitet.“ Danach aber muss die Frage beantwortet werden, wie es passieren konnte, dass die mühsame und teure Aufbauarbeit, die auch Deutschland geleistet hat, und bei der auch deutsche Soldaten den Tod fanden, binnen Tagen zu afghanischem Staub zerfiel.