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| 18:39 Uhr

Nach Venezuela-Zwischenschenfall
Sicher vor Drohnen-Attacken?

Anschläge mit Drohnen kann es in Deutschland jederzeit geben, warnen Experten.
Anschläge mit Drohnen kann es in Deutschland jederzeit geben, warnen Experten. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Berlin . Experten entwickeln mit Bundesmitteln das Abwehrsystem Ambos.  Von Dorothee Torebko

Drohnen, Detonationen und die Frage: War es ein Mordanschlag? Das beschäftigt die Behörden in Venezuela derzeit wie kein anderes Thema. Am Sonnabend waren bei einer Militärparade offenbar Bomben, die von Drohnen abgeworfen wurden, in der Nähe des Präsidenten Nicolás Maduro explodiert. Ob es ein terroristischer Akt war, ist unklar. Dennoch ist die Unsicherheit groß. Hierzulande stellt sich ebenfalls die Frage: Wie sicher ist Deutschland vor Attacken aus der Luft?

„Anschlagartige Szenarien durch Drohnen kann es in Deutschland jederzeit geben“, warnt Hans-Peter Stuch vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE. „Es ist keine Frage, ob es dazu kommt, sondern vielmehr, wann das geschieht.“ Deshalb forscht Stuch mit Wissenschaftlern im Rahmen eines aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderten Projekts zur Drohnenabwehr.

Die Forscher entwickeln das System Ambos. Es erkennt die Funkverbindung zwischen Drohne und Fernbedienung, kann das Flugobjekt hören, es per Kamera sehen und hat einen Radar. All diese Informationen liefert das System einem Polizisten. Der kann nun das Funksignal stören oder ein Netz auswerfen, das sie einfängt. Das ist die Theorie – rechtlich sind aber nicht alle Fragen geklärt.

„Der Gesetzgeber muss regeln, wann Gegenmaßnahmen wie ein Netzwerfer eingesetzt werden können“, erklärt Stuch. Und wer haftet, wenn die Drohne abstürzt und Menschen verletzt. Das in Deutschland wohl bekannteste Beispiel, bei dem das Einfangen hätte schiefgehen können, stammt aus dem Jahr 2013. Bei einer Wahlkampfveranstaltung plumpste eine Drohne vor Angela Merkel vom Himmel. Das Flugobjekt transportierte nur eine Kamera, keine Bombe. Hätten Behörden diese eingefangen, wäre sie womöglich über den Köpfen der Zuhörer abgestürzt.

Diese Szene nahm das Kasseler Unternehmen Dedrone zum Anlass, 2015 einen Tracker zu entwickeln. Das System ist im Gegensatz zu Ambos bereits auf dem Markt und schützt Unternehmen vor Industriespionage ebenso wie Gefängnisse davor, dass Piloten Insassen mit Waffen versorgen. Es funktioniert mit einer Mischung aus Mikrofonen, Radiofrequenzsendern und Kameras.

Stuch sieht diese Systeme kritisch. Sie würden in einigen Fällen wirken, in anderen, in denen die räumliche Situation nicht ideal ist, nicht. „Wir hoffen, diese Lücken mit Ambos zu verkleinern und möglichst zu schließen“, sagt er. Bis es so weit ist, kann es aber noch einige Monate dauern. Und wer es sich leistet, muss einiges blechen: ab 100 000 Euro aufwärts.