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| 17:00 Uhr

Zur Person
Querdenker und Brückenbauer... Senator John McCain ist tot

ARCHIV - 14.02.2016, Bayern. München: Der damalige US-Senator John McCain sitzt bei der 52. Sicherheitskonferenz. Der prominente US-Republikaner John McCain ist tot. Der Senator starb am Samstag, wie sein Büro mitteilte. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 14.02.2016, Bayern. München: Der damalige US-Senator John McCain sitzt bei der 52. Sicherheitskonferenz. Der prominente US-Republikaner John McCain ist tot. Der Senator starb am Samstag, wie sein Büro mitteilte. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Sven Hoppe
Es war ein kühler Herbsttag in Phi­ladelphia, und Senator John McCain  (Foto: dpa) hielt eine Rede, von der man heute weiß, dass es seine letzte vor großem Publikum war. Von Frank Herrmann

In der Stadt, in der die Gründungsdokumente der amerikanischen Republik zu Papier gebracht wurden, sprach er von einem erstaunlichen Land, in dem alles möglich sei, auch, dass der Schlechteste seiner Klasse an der Flottenakademie Präsidentschaftsbewerber  werden könne.

Er meinte sich selber, grinste sein unverwechselbares Grinsen – und wurde grundsätzlich. Es sei unpatriotisch, Ideale aufzugeben, die man rund um den Globus vorangebracht habe, um einem „halbgaren, fadenscheinigen Nationalismus zu genügen, aufgekocht von Leuten, die lieber nach Sündenböcken suchen, statt Probleme zu lösen“, mahnte der 81-Jährige, der längst wusste, dass er an einem unheilbaren Hirntumor litt.

Den Namen Trump hat er in Philadelphia nicht erwähnt, und doch wusste jeder, wen sich der Senator vorknöpfte. Einen Präsidenten, der Neonazis auf eine moralische Stufe mit linken Gegendemonstranten gestellt hatte. Und während die meisten Republikaner Kritik an dem Populisten im Oval Office allenfalls hinter vorgehaltener Hand äußerten, redete McCain Tacheles. Da war er wieder, der Maverick.

Rinder, die kein Brandzeichen tragen, sich keinem Besitzer zuordnen lassen und keiner Herde folgen, kennt man in der texanischen Viehzucht als Mavericks. John Sidney McCain III war stolz darauf, wenn sie ihn so nannten. Er war ein konservativer Republikaner, aber eben auch ein unabhängiger Kopf, der ohne Umschweife sagte, was ihm durch den Kopf ging. Ohne sich um die Parteilinie zu scheren. Viele solcher Originale gibt es nicht mehr im US-Kongress mit seinen tiefen Gräben zwischen Demokraten und Republikanern. Auch deshalb fühlt sich der Tod McCains an wie das Ende einer Ära.

2000, er bewarb sich erstmals für die Präsidentschaft, kam er nicht über die Vorwahlen hinaus, besiegt von George W. Bush. 2008 kürten ihn die Republikaner zwar zum Kandidaten fürs Weiße Haus, diesmal verlor er im Finale gegen Barack Obama, den charismatischen Hoffnungsträger. Gleichwohl ließ er sich nie dazu herab, Kontrahenten persönlich zu attackieren. Als eine Frau bei einem Bürgerforum faselte, sie traue diesem Obama nicht, das sei doch ein Araber, nahm ihr McCain das Mikrofon aus der Hand, um spontan zu widersprechen. Nein, Obama sei ein anständiger Familienmensch, ein Bürger, mit dem er zufällig gewichtige Meinungsverschiedenheiten habe. Was für ein Kontrast zu  Trump!

Der Maverick McCain, im Parlament hat er Brücken über Parteienschluchten gebaut, wann immer er Reformen für richtig hielt. Im Juli vor einem Jahr, der Senat hatte über das Schicksal von Obamas Gesundheitsreform zu befinden, trat er vor, im Gesicht noch die frischen Narben einer Krebsoperation, ließ seine Hand eine Weile flattern – und senkte schließlich den Daumen, gegen die eigenen Parteifreunde stimmend. Eine spektakuläre Geste, die das Aus für „Obamacare“ vorübergehend verhinderte.

Dass ihn viele als Held verehren, hat mit Vietnam zu tun. 1967 wurde das Kampfflugzeug, an dessen Steuerknüppel er saß, über Hanoi abgeschossen. McCain katapultierte sich aus der Maschine, brach sich beide Arme und ein Bein und geriet in Kriegsgefangenschaft. Irgendwann machte die nordvietnamesische Regierung ihm, dem Sohn einen Flottenadmirals, das Angebot, früher als seine Kameraden entlassen zu werden. McCain lehnte ab, es hätte gegen seinen Ehrenkodex verstoßen.

Auch für Amerikaner, die politisch nichts mit ihm am Hut haben, ist er der Gegenentwurf zu Trump. Der ließ sich einen Fersensporn attestieren, um während des Vietnamkriegs nicht eingezogen zu werden. McCain sei kein Kriegsheld, „mir sind Leute lieber, die sich nicht gefangen nehmen ließen“, höhnte er Jahrzehnte später. Donald Trump, soll John McCain schon Monate vor seinem Tod verfügt haben, möge seiner Trauerfeier fernbleiben. ⇥Frank Herrmann