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| 19:20 Uhr

CSU-Personalentscheidungen erst in vier Wochen
Seehofer gibt den Beckenbauer

FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Der CSU-Chef hat am Dienstag in Berlin die Wahlniederlage seiner Partei erklärt. Zunächst soll aber alles erstmal beim Alten bleiben. Von Hagen Strauss

Brust raus, Bauch rein und die Arme vor sich verschränkt. So sitzt CSU-Chef Horst Seehofer über weite Strecken seiner Pressekonferenz auf dem Podium. Nun gibt es für diese Haltung mehrere Deutungen von Körpersprache-Experten. Eine lautet: Ich bin standhaft. Genau das ist in Berlin auch Seehofers Botschaft am Tag zwei nach dem Debakel der CSU bei der Landtagswahl. Er will nicht weichen, weder als Parteivorsitzender noch als Innenminister. Zumindest in den nächsten vier Wochen nicht.

Erst soll im Freistaat gemäß der Frist in der bayerischen Verfassung eine neue Regierung durch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gebildet werden. Spätestens bis zum 12. November. Dann erst werde das Wahlergebnis der CSU von rund 37 Prozent analysiert, so Seehofer. Mit „nachhaltigen Konsequenzen“. Aus diesem Grund wolle er jetzt auch keine Personaldiskussion führen, danach sei er dazu „durchaus bereit“. Soll heißen: Zunächst bleibt alles beim Alten in der CSU. Aber dann. Freilich hat schon „Kaiser“ Franz Beckenbauer immer gesagt: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho.“ Ähnlich hält es der Christsoziale nun auch.

FOTO: dpa / Kay Nietfeld

Seehofer ist halt ein alter Fuchs mit extrem dickem Fell. Ihm kann man so schnell nicht beikommen. Hier ein Zückerli für seine Kritiker, dort ziemlich viel Selbstlob über das von ihm in der Großen Koalition mit auf den Weg Gebrachte – ja, und über Ton und Stil in den vergangenen Monaten könne man natürlich diskutieren. „Die Stilfrage akzeptiere ich“, sagt der 69-Jährige großzügig. Auch wenn er sich an manches schon gar nicht mehr erinnern könne, „das muss ich mir nochmal vor Augen führen“.

Ob er künftig weniger mit Kanzlerin Angela Merkel streiten werde? „Ich habe doch ordentliches Verhalten zugesagt“, so der CSU-Mann grinsend. Das hat er freilich schon öfter. Daran gehalten hat er sich nie.

Horst Seehofer – der Erklärer. Erst in vier Wochen soll es nach Willen des  CSU-Chefs und  und Bundesinnenministers  Konsequenzen geben.
Horst Seehofer – der Erklärer. Erst in vier Wochen soll es nach Willen des  CSU-Chefs und  und Bundesinnenministers  Konsequenzen geben. FOTO: dpa / Kay Nietfeld

Zweimal hat Seehofer in den vergangenen Monaten mit dafür gesorgt, dass die Große Koalition an den Rand des Abgrunds gerutscht ist. Durch den Streit mit der Kanzlerin über die Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze, dann in der Affäre um Verfassungsschutzpräsident Maaßen. Die beiden Krisen haben das Bündnis nachhaltig verändert. Man traut sich noch weniger über den Weg. Dem CSU-Chef wird von allen Seiten zur Last gelegt, er sei dafür verantwortlich, dass die Groko in so einem schlechten Licht steht, was auch erheblich zum Debakel der CSU bei der Wahl beigetragen haben soll – und die Wahlkämpfer in Hessen derzeit zittern lässt. Bei der SPD sehen sie das sogar als Hauptgrund für ihr Desaster.

Seehofer empfindet das natürlich anders. „Sie müssen sich immer prüfen“, so der Minister, „trifft das zu oder nicht“. Das habe er getan. Ergebnis – wen wundert’s: Nein, die Vorwürfe und Berichte über ihn treffen nicht zu. Selbst SPD-Minister würden zu ihm sagen: „Wenn man mit Ihnen zu tun hat, dann glaubt man gar nicht, dass Sie das sind.“ Auch dürfe man nicht aus jeder Diskussion eine Machtfrage machen. „Was soll ich noch für Machfragen verfolgen? Ich werde 70. Ich bin froh, wenn ich mich zu Hause durchsetze.“ Ein typischer Seehofer-Witz. Vorne auf dem Podium sitzt ein politischer Wolf im Schafspelz.

Er verrät, dass er Markus Söder schon dreimal angeboten habe, sein Amt als Vorsitzender zur Verfügung zu stellen. Kurz nach der Bundestagswahl, vor dem Parteitag im vergangenen Jahr in Nürnberg, bevor er wiedergewählt wurde, dann auf dem Höhepunkt des Migrations-Streits. Dreimal ist er im Amt verblieben. Seit dem  Wahlsonntag haben bisher nur zwei  CSU-Kreisverbände laut seinen Rücktritt gefordert. Seehofer sagt, ihm mache seine Arbeit noch Spaß. Die CSU werde weiter „als stabiler Faktor“ in der Groko arbeiten – da müssen viele im Saal schmunzeln. Ob auch er weiter dabei sein wird, entscheidet sich endgültig in vier Wochen.