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| 18:05 Uhr

Schockierende Prognose
Mehr Plastik als Fische in Weltmeeren

 Eine Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)  schwimmt im Wasser. Junge Meeresschildkröten tragen einer Studie zufolge häufiger Plastik in sich als ältere – und laufen somit größere Gefahr, dadurch zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommen australische Forscher, die unter anderem knapp 250 tote Meeresschildkröten untersuchten.
Eine Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)  schwimmt im Wasser. Junge Meeresschildkröten tragen einer Studie zufolge häufiger Plastik in sich als ältere – und laufen somit größere Gefahr, dadurch zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommen australische Forscher, die unter anderem knapp 250 tote Meeresschildkröten untersuchten. FOTO: dpa / Kathy Townsend
Berlin. Weltweit ringen Menschen um Lösungen gegen die riesigen Mengen Plastik, die die Meere verschmutzen. Der weltweite komplette Verzicht auf Einwegprodukte ist im Moment illusorisch. Von Simon Siman

Die Prognose hat viele schockiert: Im Jahr 2050 könnten mehr Plastikteile in den Weltmeeren schwimmen als Fische. Die mehr als groben Schätzungen der Ellen MacArthur Foundation und des Weltwirtschaftsforums sind zwar hochumstritten, die Vermüllung des Ozeans mit Plastik bezweifelt jedoch niemand. Bilder einer leidenden Schildkröte mit Strohhalm in der Nase oder von verendeten Walen mit Dutzenden Kilogramm Plastik im Bauch gingen um die Welt.

Auch Abfälle aus Deutschland landen im Meer. Die EU-Kommission hat eine Strategie vorgegeben, mit der die Vermüllung der Meere eingedämmt werden soll: Bis 2030 sollen alle Plastikverpackungen in der EU recycelbar sein. Dazu gehören auch neue Vorgaben für das Produktdesign von Plastikflaschen. Ab 2030 sollen sie zu 30 Prozent aus recyceltem Material bestehen, und die Deckel müssen fest angebracht sein. „Die Kommission ist da weiter als Deutschland“, sagt Henning Wilts, Abfallexperte beim Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. „Es muss verbindliche Rezyklatquoten geben, die Anreize schaffen, besser zu recyceln“, sagt er.

Kreislaufsysteme leben zwar davon, dass alle Verantwortung tragen. In erster Linie sei es jedoch die Aufgabe der Industrie, besser recycelbare Plastikstoffe zu produzieren, sagt Wilts. Die Verarbeitung von Mischplastik müsse entsprechend teurer werden.

Woher der deutsche Müll im Meer kommt, lasse sich Wilts zufolge nicht klar sagen. Wie gut der Müll vor dem Export sortiert wurde, lässt sich kaum kontrollieren. Illegale Mülltransporte können  Deutschland leicht verlassen. Daher spricht Wilts sich für eine deutliche Kennzeichnung von Industrieplastik aus. Die Verantwortlichen könnten so leichter identifiziert werden, wenn ihr Müll illegal exportiert wird.

Einen generellen Exportstopp, wie ihn der Deutsche Landkreistag fordert, sieht Wilts kritisch: „Plastikmüll ist ein Wirtschaftsgut und wird auch für Recyclingzwecke exportiert. Wenn wir die Exporte einstellen, recycelt China gar nicht mehr.“ Das Problem seien die Sortieranlagen, die China nach dem Importverbot in Malaysia oder Indonesien aufgebaut hat. Dort werde zum Teil händisch an einem Fließband sortiert. „Der recycelbare Teil geht mit Transporten weiter nach China, der Rest landet auf Deponien oder in Flüssen und damit im Meer“, sagt Wilts.

 Eine Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)  schwimmt im Wasser. Junge Meeresschildkröten tragen einer Studie zufolge häufiger Plastik in sich als ältere – und laufen somit größere Gefahr, dadurch zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommen australische Forscher, die unter anderem knapp 250 tote Meeresschildkröten untersuchten.
Eine Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)  schwimmt im Wasser. Junge Meeresschildkröten tragen einer Studie zufolge häufiger Plastik in sich als ältere – und laufen somit größere Gefahr, dadurch zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommen australische Forscher, die unter anderem knapp 250 tote Meeresschildkröten untersuchten. FOTO: dpa / Kathy Townsend