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| 10:02 Uhr

Gesellschaftskunde
Schmeicheln und Lästern gelten als harmlose Schwächen - stimmt aber nicht ganz.

Unter den Verstößen gegen die Wahrheit gibt es die dicken Fische, die klaren Entgleisungen wie Lüge oder Meineid. Dass Menschen einander damit schaden, liegt auf der Hand. Anders ist es mit Variationen des Lügens, die oft als charmante Ungezogenheit abgetan werden, als Wesenszug von Menschen, die gut mit Sprache umgehen können und ein hochsensibles Gespür dafür haben, was andere von ihnen hören wollen.

Gemeint sind das Schmeicheln und das Lästern.

Beide Arten, die Wahrheit zu umgarnen, sind keine glatten Lügen, der Anlass der Rede ist meist wahr. Doch sind Schmeicheln wie Lästern Verzerrungen - einmal ins Positive, einmal ins Negative - die die Wirklichkeit eben doch nicht korrekt wiedergeben. Bemerkenswerterweise schadet das aber nicht nur den fälschlich Hofierten oder Gescholtenen, sondern dem Sprecher selbst.

Denn etwas auszusprechen, verändert immer auch die eigene Wirklichkeit. Wenn Menschen zu Lästerattacken ausholen, Kollegen übereinander herziehen, Freunde die Freundschaft in einem Anflug von Lästerlust verraten, dann stellen sie etwas übler dar, als es ist. Und tun dies meist so überzeugend, dass es am Ende auch für sie selbst gilt.

Auch beim Schmeicheln bleibt etwas von der falschen Klebrigkeit beim Sprecher hängen. Gerade wenn er aus cleverem Kalkül handelt, also genau weiß, dass er Dinge nur sagt, um sich Vorteile zu verschaffen, muss er die Falschheit in sich bewahren, um nicht aufzufallen. Und ein wenig Ekel über sich selbst, eine Spur von Scham wird noch beim gewieftesten Charmeur zurückbleiben.

Schmeichelein wie Lästereien können Vergnügen bereiten, sie geben der Wirklichkeit eine Würze, die der reinen Wahrheit fehlt. Doch hat das Nebenwirkungen - für die Betrogenen, darum nennen alle Religionen Verstöße gegen die Wahrheit Sünde, aber auch für den Betrüger selbst.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)