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| 19:08 Uhr

Politik
Rücktrittsforderungen an Seehofer nach Selbstmord eines Asylbewerbers

11.07.2018, Berlin: Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, nimmt an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
11.07.2018, Berlin: Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, nimmt an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin/Kabul.   Nach dem Selbstmord eines aus Deutschland abgeschobenen afghanischen Asylbewerbers werden Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofers (CSU) laut. „Es ist höchste Zeit, dass Seehofer geht“, teilte am Mittwoch der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, mit.

Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Gyde Jensen (FDP), sagte dem „Tagesspiegel“ (Donnerstag), Seehofer sei aufgrund seiner zynischen Äußerungen „offensichtlich falsch im Amt“.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich einer der 69 afghanischen Asylbewerber des jüngsten Abschiebeflugs aus Deutschland in Kabul das Leben genommen hat. Einen Tag zuvor hatte sich Seehofer zufrieden über die hohe Zahl der Abgeschobenen gezeigt. „Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden. Das liegt weit über dem, was bisher üblich war“, hatte er gesagt.

Für den Tod des Mannes machte Linke-Politiker Korte Seehofer mitverantwortlich. „Wer aus Profilierungsgründen junge Menschen, die einen großen Teil ihres Lebens in der Bundesrepublik verbracht haben, in die Gefahren eines Kriegs- und Krisengebiets und in die Hoffnungslosigkeit abschiebt, trägt einen Großteil der Verantwortung, wenn diese das 69. Lebensjahr nicht erreichen.“

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag), Seehofer sei „ganz offensichtlich (...) in seinem Amt moralisch überfordert und schlicht ungeeignet, seine Aufgaben verantwortungsvoll zu erfüllen“.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Claudia Roth (Grüne), forderte, weitere Abschiebungen nach Afghanistan aufgrund der „weiterhin desaströsen Sicherheitslage“ auszusetzen. Ihr SPD-Kollege Thomas Oppermann (SPD) bezeichnete Abschiebungen in der „Welt“ als „ernsthafte Angelegenheit“. „Damit macht man keine Späße.“

(dpa)