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Rückkehr ins Arbeitsleben
„Ich nehme mich wieder als Mensch wahr“

Berlin. Rentenversicherung gibt pro Jahr 6,4 Milliarden Euro für die Rehabilitation akut Erkrankter aus. Stefan Vetter

Die Rentenversicherung steht in erster Linie für die Altersbezüge der rund 21 Millionen Ruheständler im Land. Weniger Beachtung findet, dass auch Rehabilitationsleistungen mitversichert sind, um akut erkrankten Beschäftigten die Rückkehr ins Arbeitsleben zu ermöglichen.  Immerhin 6,4 Milliarden Euro gab die Rentenversicherung dafür allein im vergangenen Jahr aus.

Andreas ist 48 Jahre alt und von Beruf  Lehrer. Er leidet unter Atemproblemen,  Schweißausbrüchen sowie psychischen Beeinträchtigungen wie Schwindel und Angst vor Kontrollverlust. Seit zwölf Monaten ist Andreas deshalb krankgeschrieben. Der Arzt hat eine generalisierte Angststörung diagnostiziert und regt eine stationäre Reha an. Es folgen fünf Wochen mit Gruppen- und   Bewegungstherapie, in denen der Betroffene seine  Belastbarkeit steigern und wieder ein positives Lebensgefühl entwickeln kann.

Der Fall ist einer von über einer Million medizinischen Rehabilitationen, die die Deutsche Rentenversicherungen im vergangenen Jahr durchgeführt hat.  Etwa 85 Prozent waren stationär, der Rest ambulant. Dafür verfügt die Rentenversicherung bundesweit über 93 eigene Einrichtungen. Hinzu kommen noch einige Hundert Vertragskliniken,  die mit Trägern der Rentenversicherung einen Belegungsvertrag abgeschlossen haben. Darüber hinaus gab es knapp 157 000 Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Sie reichten von der Bereitstellung spezieller Sicherheitsschuhe bis hin zu Umschulungsmaßnahmen für Beschäftigte, die ihren angestammten Beruf  zum Beispiel wegen einer Hautallergie nicht mehr  ausüben konnten. „Bei dem größten Anteil der Rehabilitanden wird das Ziel einer dauerhaften Erwerbsfähigkeit erreicht“, sagt die zuständige Direktorin der Rentenversicherung, Brigitte Gross. So seien innerhalb der ersten 24 Monate nach einer medizinischen Reha 86 Prozent der Betroffenen weiter erwerbsfähig. Wer nicht mehr weitermachen könne, bekomme entweder eine Erwerbsminderungsrente oder eine Altersrente.

Einen Schwerpunkt der Rehabilitation bilden psychische Störungen. Im Jahr 2015 lagen sie bereits an zweiter Stelle bei den Erkrankungen, die mit einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als sechs Wochen verbunden waren. Der Fall von Andreas zeigt, dass solche Leiden auch zusammen mit anderen Erkrankungen auftreten können. Laut Rentenversicherung ist davon mittlerweile jeder fünfte Rehabilitand betroffen. „So kann auch jemand, der wegen einer Krebserkrankung in der Reha ist zusätzlich an einer depressiven Störung leiden“, erläutert Gross.

An Bedeutung gewinnt zudem die „Kinder-Reha“, nachdem die Bundesregierung diese vormals ausschließlich stationäre Leistung im vergangenen Jahr per Gesetz auf den ambulanten Bereich ausgeweitet hat. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 35 000 Anträge bewilligt. Auch bei Kindern nehmen psychische Störungen zu. „Der Vorteil einer ambulanten Reha ist, dass sie in Wohnortnähe stattfindet“, sagt Gross. Die Kinder könnten so in ihrem Umfeld verbleiben.  Bei der Kinder-Reha gehe es darum, die Leistungsfähigkeit  der Kinder wiederherzustellen, um ihnen die schulische Ausbildung und den späteren Eintritt ins Erwerbsleben zu sichern, so Gross.

Auch Andreas möchte nach seiner  erfolgreichen Rehabilitation den Lehrer-Beruf  nicht mehr missen. „Vor allem geht es mir besser und ich nehme mich wieder als Mensch wahr.“