| 02:39 Uhr

Regierungschefin verurteilt allgemein Gewalt in Myanmar

Vermeidet Kritik am Militär: Aung San Suu Kyi.
Vermeidet Kritik am Militär: Aung San Suu Kyi. FOTO: dpa
Naypyidaw. Angesichts der Massenflucht von mehr als 420 000 Muslimen aus Myanmar hat Regierungschefin Aung San Suu Kyi erstmals Gewalt und Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land verurteilt. In einer Rede an die Nation vermied sie am Dienstag jedoch jede Kritik an den mitregierenden Militärs. dpa/sm

Von ihr kam auch kein Wort des Bedauerns an die Adresse der muslimischen Rohingya-Minderheit.

Die Friedensnobelpreisträgerin versicherte aber: "Alle von uns wollen Frieden und keinen Krieg." Zugleich bat sie die internationale Gemeinschaft um mehr Geduld mit ihrem Land. Suu Kyi bot auch an, Flüchtlinge wieder aus dem Nachbarland Bangladesch aufzunehmen. Sie machte dies aber von einer "Überprüfung" abhängig. Wie genau das aussehen soll, ließ sie offen.

Die Rede in der Hauptstadt Naypiydaw war für die 72-Jährige der erste öffentliche Auftritt seit Beginn der neuen Krise Ende August. Wegen ihres Verhaltens steht sie international massiv in der Kritik. Einen Auftritt bei der UN-Vollversammlung in New York hatte sie abgesagt. Menschenrechtler äußerten sich über die Rede enttäuscht.

Die Nobelpreisträgerin führt nach einem klaren Wahlsieg seit anderthalb Jahren in Myanmar, dem ehemaligen Birma, die Regierung. Wie die große Mehrheit der Bevölkerung ist Suu Kyi buddhistischen Glaubens. Die muslimische Minderheit der Rohingya umfasst mehr als eine Million Menschen. Sie sind staatenlos, nachdem ihnen die damalige Militärjunta 1982 die Staatsbürgerschaft entzogen hatte.

Suu Kyi betonte in ihrer auf Englisch gehaltenen Rede: "Als verantwortliches Mitglied der Staatengemeinschaft fürchtet Myanmar keine internationale Überprüfung." Sie lud ausländische Diplomaten ein, die Unruheprovinz Rakhine zu besuchen. Suu Kyi zufolge gab es dort seit dem 5. September auch "keine Säuberungsaktionen" mehr.