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| 08:14 Uhr

Sorge um Missbrauch der Weltpolizei
Putins Kandidat scheitert bei Wahl zum Interpol-Präsidenten

Alexander Prokoptschuk, russischer Kandidat für das Präsidentenamt von Interpol.
Alexander Prokoptschuk, russischer Kandidat für das Präsidentenamt von Interpol. FOTO: dpa / Uncredited
Dubai. Am Mittwochmorgen ist in Dubai ein neuer Präsident für die internationale Polizeibehörde Interpol gewählt worden. Beobachter hatten große Sorge, dass ein von Russlands Präsident Putin protegierter Kandidat gewinnen könnte. Das blieb allerdings aus.

Der alte Chef wurde wegen Korruptionsverdacht festgenommen, über den Nachfolger gab es einen erbitterten Streit: An Mittwoch haben die Interpol-Mitgliedsländer in Dubai ihren neuen Präsidenten gewählt. Umstritten war der russische Kandidat Alexander Prokoptschuk, der seit 2016 Vize-Präsident der internationalen Polizeiorganisation ist. US-Senatoren, aber auch die Ukraine und Litauen warnten vor seiner Wahl. Im deutschen Bundestga gab es ebenfalls zahlreiche kritische Stimmen. US-Außenminister Mike Pompeo warb offensiv für einen Kandidaten aus Südkorea: Kim Jong Yang, der seit dem Rücktritt des bisherigen Chefs bereits übergangsweise an der Spitze von Interpol steht. Russland warf den USA vor, die Abstimmung beeinflussen zu wollen. Aus den USA wiederum gab es Hinweise, Russland habe versucht, die Wahl durch politischen Druck auf die Mitgliedsländer zu lenken.

Geholfen hat das am Ende nichts. Am Mittwochmorgen berichtet Interpol, dass Kim Jong Yang die Wahl gewonnen hat und damit für weitere zwei Jahre Präsident der Organisation ist.

An der 87. Generalversammlung Interpols nahmen knapp 1000 Delegierte aus 173 Ländern teil. Der bisherige Präsident, der Chinese Meng Hongwei, war im September in seiner Heimat festgenommen worden. Gegen ihn wird wegen des Verdachts ermittelt, „Bestechungsgelder angenommen“ zu haben und in illegale Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein.

Pompeo warb am Dienstag (Ortszeit) in Washington eindringlich dafür, Kim zum dauerhaften Interpol-Chef zu machen. Interpol sei eine wichtige Organisation. „Wir ermuntern alle Länder und Organisationen, die Interpol angehören und für Rechtsstaatlichkeit stehen, einen Leiter mit Glaubwürdigkeit und Integrität zu wählen“, mahnte er. „Wir glauben, dass Herr Kim genau das sein wird.“

US-Senatoren hatten in einem Brief an US-Präsident Donald Trump und die Interpol-Mitglieder gewarnt, sollte der 57 Jahre alte Polizeigeneral Prokoptschuk an die Spitze des Exekutivkomitees treten, werde er die Organisation zugunsten der Kreml-Politik missbrauchen. Kremlsprecher Dmitri Peskow erwiderte daraufhin, die USA versuchten hier, „sich in einen Wahlprozess einzumischen“.

Interpol koordiniert die internationale Zusammenarbeit der Polizei und dient dem Austausch von Informationen, zum Beispiel über Haftbefehle. Die tägliche Arbeit am Sitz in Lyon in Frankreich wird vom Generalsekretär geleitet. Das ist seit 2014 Jürgen Stock, ehemals Vize des Bundeskriminalamtes (BKA). Der Präsident leitet dagegen die Generalversammlung der Mitgliedsstaaten und überwacht die Arbeit des Generalsekretariats.

(dpa/bob)