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Ausweisung von Diplomaten
Putin schweißt den Westen zusammen

Russlands Präsident Wladimir Putin.
Russlands Präsident Wladimir Putin. FOTO: rtr, EI
Exklusiv | Düsseldorf. Bisher schien der russische Präsident Putin den Nutzen und die Kosten seines Handelns immer genau abzuwägen. Aber in der Affäre um Ex-Spion Skripal treibt Moskau selbst Russland-freundliche Regierungen an die Seite der Briten. Matthias Beermann

Westliche Staaten weisen in einer konzertierten Aktion Dutzende russische Diplomaten aus - wann hat es so etwas zuletzt gegeben? Dabei hätten viele die in zahllose Streitereien verhedderte transatlantische Gemeinschaft zu einer solchen Geschlossenheit gar nicht mehr für fähig gehalten.

Wohl auch Wladimir Putin nicht, dessen erklärtes Ziel es ist, den Westen zu spalten und damit zu schwächen. Nun aber sieht es so aus, als sei es ausgerechnet Russlands Präsident selbst, der die westlichen Staaten zusammenschweißt. Fast müsste man sich dafür in Moskau bedanken, wenn der Hintergrund nicht so ernst wäre.

Putins bisherige Bereitschaft, bei der Aufklärung des Nervengift-Einsatzes auf britischem Boden mitzuwirken, ist in Wahrheit gleich Null. Und dies, obwohl die Spur aller Indizien nach Russland führt. Die aggressive Reaktion aus Moskau auf die Vorwürfe hat am Ende selbst eher Russland-freundliche Regierungen in der EU dazu bewegt, sich solidarisch mit den Briten zu zeigen.

Man hat Putin immer zugute gehalten, dass er trotz allem ein rationaler Politiker ist, der die Kosten seiner Handlungen genau gegen den erhofften Profit abwägt. Aber was Putin derzeit treibt, ist nicht mehr rational. Es ist nur noch gefährlich.