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| 16:34 Uhr

Kirche
Durchbruch beim Abendmahl

Ingolstadt. Protestanten dürfen nun am Altar die Hostie erhalten. Von Benjamin Lassiwe

Es ist ein Durchbruch für die Ökumene: Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im bayerischen Ingolstadt beschlossen Deutschlands katholische Bischöfe, dass evangelische Ehepartner von Katholiken künftig im streng geregelten Ausnahmefall an der katholischen Eucharistiefeier teilnehmen dürfen. Dazu soll in den nächsten Wochen eine „Orientierungshilfe“ veröffentlicht werden.

„Die Orientierungshilfe geht davon aus, dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen“, heißt es in einer Mitteilung der Bischofskonferenz. Voraussetzung sei das „Bejahen des Glaubens der katholischen Kirche“ sowie der Wunsch, eine „schwere geistliche Notlage“ beenden zu wollen. „Es ist ein Weg für Einzelfälle, es geht nicht um generelle Lösungen“, sagte der DBK-Vorsitzende Reinhard Kardinal Marx. Dabei wurde das katholische Kirchenrecht nicht geändert, sondern nur anders ausgelegt: Bisher war es nicht erlaubt, dass Protestanten am Altar die Hostie erhielten. Wenn also ein katholisch erzogenes Kind aus einer Ehe einer Lutheranerin mit einem Katholiken zur katholischen Erstkommunion ging, musste die Mutter in der Kirchenbank sitzen bleiben. Ausnahmen galten nur, wenn bei schwerer Krankheit oder Todesgefahr kein evangelischer Seelsorger erreichbar war. Künftig ist auch eine „geistliche Notlage“ eine gültige Ausnahme. Diese Lösung erinnert an ein Papier, das die Bischöfe im Dezember zur Frage des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen gefunden hatten. Auch hier vermied man es, generelle Regeln zu treffen, und ging – ganz im Sinne von Papst Franziskus – vom seelsorgerlichen Einzelfall aus.  Laut Marx ist das Dokument mit großer Mehrheit, aber nicht einstimmig verabschiedet worden.

Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, sprach auf Anfrage von einem „weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg der Ökumene“.