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| 02:39 Uhr

"Piloten an der Belastungsgrenze"

Rainer Arnold will nicht den Mali-Einsatz der Bundeswehr an sich infrage stellen.
Rainer Arnold will nicht den Mali-Einsatz der Bundeswehr an sich infrage stellen. FOTO: dpa
Berlin. Beim Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers sind am Mittwoch in Mali zwei Soldaten ums Leben gekommen. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, hält die Belastung für die Truppe in dem nordafrikanischen Land zum Teil für grenzwertig.

Die RUNDSCHAU fragte nach.

Herr Arnold, haben Sie schon nähere Erkenntnisse über die Umstände des Absturzes?
Arnold Nein. Es kann auch noch Tage oder sogar Wochen dauern, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Vor allem dann, wenn es sich um komplexe technische Störungen handelt, wovon man ausgehen muss.

Bei den "Tiger"-Hubschraubern gab es immer wieder Zweifel an der Einsatztauglichkeit. Droht jetzt eine neue Debatte über Ausrüstungsmängel der Bundeswehr?
Arnold Neu eingeführte Geräte, und darum handelt es sich bei dem abgestürzten Hubschrauber, sind nach aller Erfahrung zunächst immer störanfälliger als Geräte, die schon viel Jahre ihren Dienst tun. In Mali waren die vier Tiger-Hubschrauber der Bundeswehr auch erst seit Mai im Einsatz. So lange keine Gewissheit über die Absturzursachen herrscht, werden sie auch am Boden bleiben. Es wäre aber falsch, jetzt eine Grundsatzdebatte anzuzetteln. Dafür wissen wir einfach noch zu wenig.

Fest steht aber, dass es an Piloten mangelt, um die "Tiger" zu fliegen. Was läuft da schief?
Arnold Im Rahmen der völlig verfehlten Bundeswehrreform des vormaligen Verteidigungsministers de Maizière wurde die Zahl der Hubschrauber reduziert und die Pilotenausbildung eingedampft. Dabei war immer klar, dass man solche Kapazitäten eher stärken muss, denn gerade diese Fähigkeiten sind bei internationalen Friedensmissionen besonders gefragt.

Das heißt, die Bundeswehr ist mit der Mali-Mission überfordert?
Arnold Nicht generell. Aber im Bereich der Hubschrauber ist die Belastung sowohl für das technische als auch das fliegende Personal an der Grenze. Deshalb plädieren wir dafür, dass sich die Staatengemeinschaft bei den Hubschraubern besser abwechseln muss.

Die Bundeswehr ist Teil einer UN-Mission zur Stabilisierung Malis. Steht diese Hilfe nun infrage?
Arnold Nein. Auch nach einem tragischen Unglücksfall kann man nicht gleich den ganzen Bundeswehreinsatz infrage stellen. Die Mission in Mali ist bitter notwendig, um einen Friedensvertrag durchzusetzen und dafür zu sorgen, dass die malischen Streitkräfte und die malische Polizei die terroristischen Gefahren in ihrem Land am Ende selbst in den Griff bekommen.

Das Mandat für die Bundeswehr in Mali wurde erst im Januar vom Parlament um ein Jahr verlängert. Müssen sich die Soldaten auf eine weitere, scheinbar endlose Mission einstellen wie in Afghanistan?
Arnold Beide Länder lassen sich nicht vergleichen. In Afghanistan haben wir es mit einem geschlossen auftretenden Gegner zu tun. Die Taliban wollen dort die gesamte Macht an sich reißen. In Mali geht es um zersplitterte terroristische Gruppen, die allerdings erhebliche Probleme besonders im Norden des Landes verursachen. Außerdem wird Mali relativ verantwortungsvoll regiert. Schon deshalb verdient diese UN-Mission unsere volle Unterstützung. Man kann nicht das Gewaltmonopol der Uno postulieren, aber sich raushalten, wenn es damit Ernst wird.

Mit Rainer Arnold

sprach Stefan Vetter