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| 19:09 Uhr

Altervorsorge
Pension: Lasten steigen beim Bund rasant an

 Der Bund hat für die Beamten-Pensionen kaum vorgesorgt. Die Lücke wird voraussichtlich der Steuerzahler füllen müssen.
Der Bund hat für die Beamten-Pensionen kaum vorgesorgt. Die Lücke wird voraussichtlich der Steuerzahler füllen müssen. FOTO: dpa / Marijan Murat
Berlin. Der Bund hat für die Altersversorgung kaum Rücklagen gebildet. Bei den Ländern sieht es ähnlich aus.

Den Bund kommt die Altersversorgung seiner Beamten im Ruhestand immer teurer zu stehen. Das zeigt die Vermögensrechnung, die das Bundesfinanzministerium veröffentlicht hat: Eigentlich bräuchte er 567 Milliarden Euro Rückstellungen für die Pensionen der Beamten, die sich schon in Ruhestand befinden, und diejenigen, die heute noch aktiv sind. Dazu kommen 191 Milliarden Euro für die Beihilfe, also den Zuschuss des Bundes zu den Krankheitskosten. Zusammen entsprach das Ende 2018 etwa dem Doppelten des Bundeshaushalts – und fast 70 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor.

Tatsächlich hat der Bund kaum vorgesorgt: In seiner Versorgungsrücklage einschließlich des Versorgungsfonds lagen nur 17,5 Milliarden Euro. Für den gesamten Rest muss der Steuerzahler geradestehen, allerdings verteilt über viele Jahre.

Der starke Anstieg um über neun Prozent innerhalb nur eines Jahres war unter anderem auf die sinkenden Zinsen zurückzuführen: Da die Beträge abgezinst werden, führt das zu höheren Summen. Hinzu kamen die erwarteten Entgeltsteigerungen und die zunehmende Lebenserwartung.

Obwohl die Deutsche Bahn und die Nachfolgeunternehmen der Post seit 25 Jahren keine Mitarbeiter mehr verbeamten, gibt es noch große „Altlasten“: Allein auf ihre Beamten entfallen einschließlich Ruheständlern 265 Milliarden Euro an Pensionslasten. Für die Beamten des Bundes, Richter und Berufssoldaten sind es knapp 302 Milliarden Euro.

Insgesamt beschäftigten Bahn und Post Ende letzten Jahres noch 97 600 Beamte. Gleichzeitig gab es aus diesem Bereich 408 000 Pensionäre. Bei der Bundesverwaltung standen 189 100 aktiven Beamten einschließlich Richtern und Soldaten 184 400 Pensionäre gegenüber. Die Zahl der aktiven Beamten ging innerhalb eines Jahres um 6500 zurück. Hauptgrund war, dass frei werdende Stellen bei Bahn und Post nicht mehr mit Beamten besetzt werden. Dagegen beschäftigte die Bundesverwaltung rund 2200 Beamte mehr.

Gemessen an den langfristigen Lasten klingen die tatsächlich gezahlten Pensionen fast bescheiden: Einschließlich der Beihilfen waren es beim Bund im vergangenen Jahr 17,1 Milliarden Euro.

Mit deutlich größeren Lasten haben die Länder zu kämpfen. Sie mussten schon Anfang 2017 für rund 710 000 pensionierte Beamte aufkommen. Denn sie beschäftigen Lehrer und Polizisten, die besonders viele Beamte stellen. Bund, Länder und Gemeinden gaben 2017 zusammen 66,8 Milliarden Euro für Pensionen aus.

So gut wie keine Rücklagen gibt es auch in der gesetzlichen Rentenversicherung. Der Volkswirt Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg schätzt ihre Leistungsversprechen in seiner „Generationenbilanz“ auf rund 5000 Milliarden Euro.

 Der Bund hat für die Beamten-Pensionen kaum vorgesorgt. Die Lücke wird voraussichtlich der Steuerzahler füllen müssen.
Der Bund hat für die Beamten-Pensionen kaum vorgesorgt. Die Lücke wird voraussichtlich der Steuerzahler füllen müssen. FOTO: dpa / Marijan Murat