| 08:42 Uhr

Rom
Papst sucht Annäherung an China

Franziskus will die Kluft zwischen Staats- und Untergrundkirche verringern. Andreas Landwehr

Papst Franziskus hat mit seinen Bemühungen, auf die kommunistische Führung in China zuzugehen, eine heftige Kontroverse ausgelöst. Berichte über seine Pläne, möglicherweise Bischöfe der "patriotischen" Kirche Chinas anzuerkennen, die den Papst nicht als Autorität akzeptiert, stießen auf Warnungen vor einem "Ausverkauf" der Katholiken der chinesischen Untergrundkirche. Knapp die Hälfte der schätzungsweise mehr als zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich der staatlichen Kontrolle und steht loyal zum Papst, wofür viele auch verfolgt werden.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" will das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem großen Zugeständnis an die Führung in Peking sieben Bischöfe der Staatskirche anerkennen. Dafür wolle der Papst deren Exkommunizierung zurücknehmen, berichtete das Blatt unter Hinweis auf eine Person, die mit dem Plan vertraut sei. Die Bischöfe waren mit Exkommunizierung bestraft worden, weil sie gegen den Willen des Papstes ihre Ernennungen durch die Staatskirche angenommen hatten.

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen und 1951 die "Katholische Patriotische Vereinigung" gegründet. Priester und Ordensschwestern, die dieser Staatskirche nicht beitreten wollten, wurden inhaftiert, geschlagen und manche umgebracht. Wer weiterhin dem Papst die Treue hielt, musste in den Untergrund flüchten.

Der Vatikan habe Peking nun informell von der Entscheidung des Papstes über die sieben Bischöfe der Staatskirche unterrichtet, die im Frühjahr verkündet werden könne, berichtete das "Wall Street Journal". Es sei Teil einer Abmachung, nach der Peking dem Papst im Gegenzug ein Vetorecht bei der Auswahl der Kandidaten für Bischofsposten der Staatskirche einräumen würde. Eine Forderung der kommunistischen Führung dafür sei aber gewesen, dass der Papst die sieben Bischöfe anerkenne. Der Vorgang stieß auf heftige Kritik in der Kirche. Der emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, drängte den Papst nach eigenen Angaben bei einer Audienz Mitte Januar in Rom, davon abzusehen. "Denke ich, dass der Vatikan die katholische Kirche in China verrät?", schrieb Zen in einem offenem Brief: "Ja, definitiv, wenn sie in die Richtung gehen, die erkennbar ist von allem, was sie in den vergangenen Jahren und Monaten tun."