| 21:58 Uhr

Unruhe in Pakistan
Pakistans Militär will vorerst auf Gewalt verzichten

Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Foto: Anjum Naveed
Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Foto: Anjum Naveed FOTO: Anjum Naveed
Islamabad. Nach blutigen Zusammenstößen mit religiösen Demonstranten in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stehen Polizei und Militär bereit, um die auf mindestens 2000 Menschen geschätzte Gruppe aufzulösen. dpa

Nach der Eskalation der Gewalt bei der Räumung von Straßenblockaden islamistischer Demonstranten mit sechs Toten haben sich Militär und Politik auf einen Gewaltverzicht verständigt.

Das berichten pakistanische Medien am Sonntag nach einer Krisensitzung von Premierminister Shahid Khaqan Abbasi mit ranghohen Vertretern von Politik und Militär. Eine offizielle Stellungnahme gab es nicht.

Zugleich protestierten etwa 3.000 Demonstranten in der Hauptstadt Islamabad und anderen Städten gegen den Einsatz vom Samstag. Dabei sollen in Islamabad Medienberichten zufolge eine Polizeiwache angegriffen und zwei Polizisten entführt worden sein. Auch in anderen Städten des Landes habe es vereinzelt Zwischenfälle gegeben.

Rund 8.000 Polizisten sowie paramilitärisch Kräfte hatten am Samstag versucht, eine seit mehr als zwei Wochen bestehende Straßenblockade von etwa 2.000 Mitgliedern der Bewegung Tehreek Labaik Ya Rasool Allah an einer wichtigen Einfallsstraße nach Islamabad aufzulösen. Sie wollen den Rücktritt des Justizministers Zahid Hamid erzwingen, dem sie Gotteslästerung vorwerfen. Die Polizisten setzten Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein. Nach dem gescheiterten Räumungsversuch wurde auch Militär angefordert.

Analysten sprachen Medien zufolge von einer explosiven Lage. Die Armee scheine aber auf Verhandlungen der Regierung mit den Demonstranten zu setzen.

Nach Meinung der Demonstranten hatte Justizminister Hamid den Text des Eides, den Parlamentarier ablegen müssen, im Interesse der religiösen Minderheit der Ahmadi abgeändert. Ahmadis sind eine islamische Sondergemeinschaft, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden. Die Änderung der Eidesformel war schnell wieder zurückgezogen worden. Das stoppte die Demonstranten allerdings nicht. 18 Tage lang legten sie die Hauptstadt lahm. Aus ihrer Sicht soll Hamid versucht haben, im Wahlgesetz des Landes den Hinweis auf Mohammed als letzten Propheten Gottes entfernen zu lassen.

Demonstranten und Polizisten liefern sich in Islamabad eine gewalttätige Auseinandersetzung. Foto: Anjum Naveed
Demonstranten und Polizisten liefern sich in Islamabad eine gewalttätige Auseinandersetzung. Foto: Anjum Naveed FOTO: Anjum Naveed
Brennende Polizeiwagen in der Hauptstadt Islamabad. Foto: Anjum Naveed
Brennende Polizeiwagen in der Hauptstadt Islamabad. Foto: Anjum Naveed FOTO: Anjum Naveed
Die Demonstranten warfen Steine und zündeten Autos und Reifen an. Foto: Anjum Naveed
Die Demonstranten warfen Steine und zündeten Autos und Reifen an. Foto: Anjum Naveed FOTO: Anjum Naveed
Soldaten riegeln eine Straße ab. Foto: Anjum Naveed
Soldaten riegeln eine Straße ab. Foto: Anjum Naveed FOTO: Anjum Naveed
Ein Mann fährt an einem TV-Übertragungswagen vorüber, der bei Zusammenstößen zwischen religiösen Demonstranten und der Polizei in Brand gesteckt wurde. Foto: Anjum Naveed
Ein Mann fährt an einem TV-Übertragungswagen vorüber, der bei Zusammenstößen zwischen religiösen Demonstranten und der Polizei in Brand gesteckt wurde. Foto: Anjum Naveed FOTO: Anjum Naveed
Anhänger religiöser Gruppierungen protestieren in Lahore in Solidarität mit Islamisten, die in Islamabad mit Straßenblockaden demonstrieren. Foto: Rana Sajid Hussain
Anhänger religiöser Gruppierungen protestieren in Lahore in Solidarität mit Islamisten, die in Islamabad mit Straßenblockaden demonstrieren. Foto: Rana Sajid Hussain FOTO: Rana Sajid Hussain