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| 18:47 Uhr

Spekulation
Oprah Winfrey als US-Präsidentin?

Barack Obama, der damalige Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, seine Frau Michelle Obama und Talkmasterin Oprah Winfrey (r.)  sprechen während einer Wahlkampfveranstaltung am 8. Dezember 2007 in Des Moines (Iowa).
Barack Obama, der damalige Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, seine Frau Michelle Obama und Talkmasterin Oprah Winfrey (r.)  sprechen während einer Wahlkampfveranstaltung am 8. Dezember 2007 in Des Moines (Iowa). FOTO: Czerwonka / dpa
Washington. Millionen kennen die populäre TV-Moderatorin, das nötige Kleingeld hat sie auch. Und seit Trump ist alles möglich. Frank Herrmann

Oprah 2020? Ist es wirklich denkbar, dass sich Oprah Winfrey in zwei Jahren um die Präsidentschaft bewirbt? Oder hat ihr Lebenspartner Stedman Graham nur gesagt, was man so sagt, wenn einen der Hype überrascht und man andererseits keine Tür zu früh zuschlagen mag. Das hänge von den Leuten ab, „sie würde es auf jeden Fall machen“, antwortete Graham auf die Oprah-2020-Frage und ließ die Spekulationen erst recht ins Kraut schießen.

Oprah Winfrey, Talkshow-Moderatorin, Schauspielerin, Milliardärin mit eigenem Fernsehkanal, hat bei den Golden Globes in Hollywood eine Rede gehalten, die Fantasien beflügelt. Voller Leidenschaft sprach sie von den Frauen, denen man weder zuhörte noch glaubte, wenn sie die Wahrheit über „brutal mächtige“ Männer aussprachen, über Männer, deren Zeit nun vorbei sei. Ihre Wortgewalt, die Perfektion der Vorstellung, das alles ließ an Barack Obama denken. Kaum hatte sie die Bühne verlassen, meldeten sich auch schon die ersten Fans zu Wort, um schwärmerisch zu verkünden, dass sie soeben eine vorgezogene Bewerbungsrede gehört hatten. Oprahs Ouvertüre für 2020. „Ich will, dass sie antritt, um Präsidentin zu werden“, kam als Kommentar von Meryl Streep. „Vielleicht war es nicht ihre Absicht, aber jetzt hat sie gar keine andere Wahl.“

Dass heutzutage ein einziger Auftritt genügt, um aus einer Talkmasterin ein politisches Phänomen werden zu lassen, hat zweifellos mit Donald Trump zu tun. Auch der war seinen Landsleuten am ehesten als Fernsehstar in Erinnerung, als Anker der Reality-Show „The Apprentice“, weniger als Unternehmer, als er seinen Hut in den Ring warf. Der Mann, der den Beweis erbrachte, dass es auch ein Entertainer an die Staatsspitze schaffen kann. Sogar auf Anhieb. Es war eine Premiere, einmal abgesehen davon, dass seinerzeit auch der Ex-Schauspieler Ronald Reagan in die Schublade „Entertainer“ sortiert wurde, obwohl er bereits als Gouverneur Kaliforniens gedient hatte, bevor ihm der Sprung ins Oval Office gelang. Mit Trump 2016 wurden Hindernisse beiseite geräumt, die nun auch einer Oprah Winfrey nicht mehr im Weg stehen.

Was beide verbindet, ist ein traumhafter Wiedererkennungswert. Trump war und ist für viele nur „The Donald“, bei einer Kandidatin Winfrey wäre es ähnlich: Es genügte, ihren Vornamen auf Plakate zu drucken, Verwechslungen wären ausgeschlossen. Die Frage ist nur, ob sich die Wähler ein zweites Mal auf das Wagnis einlassen wollen, einen Berufsanfänger der Politik ins Weiße Haus zu delegieren. David Axelrod, einst Berater des Senkrechtstarters Obama, hat sie in aller Höflichkeit gestellt: Man werde sehen, ob dem Souverän nach Trump der Sinn nicht doch danach stehe, jemandem mit einem Mindestmaß an Regierungserfahrung den Zuschlag zu geben. Anders als der Egomane Trump, meint wiederum Nancy Pelosi, die Nummer eins der Demokraten im Repräsentantenhaus, wisse Frau Winfrey um ihre Grenzen. Sie wisse, was sie nicht wisse, weshalb sie Experten von Rang um sich scharen würde. „Außerdem hat sie Bücher gelesen.“

Was die 63-jährige Afroamerikanerin allerdings am markantesten vom Präsidenten unterscheidet, ist ihre Biografie. Oprah G. Winfrey ist tatsächlich eine Selfmade-Milliardärin wie aus dem Märchenbuch über den Amerikanischen Traum, während Donald J. Trump Millionen von seinem Vater erbte. Geboren wurde sie in Mississippi, dem rassistischsten aller Bundesstaaten. Als sie vier ist, zieht ihre alleinerziehende Mutter ohne sie in den Norden, nach Milwaukee, wo es bessere Jobs gibt und keine offene Rassendiskriminierung. Oprah bleibt bei der Oma, die sie durch Prügel maßregelt. Später folgt sie ihrer Mutter, rennt von zu Hause weg und lebt auf der Straße, bevor sie zu ihrem Vater, einem Friseur, nach Nashville geht. Mit 14 wird sie schwanger. Das Baby, eine Frühgeburt, stirbt kurz nach der Entbindung. Nach dem Studium moderiert sie im Radio, wechselt zum Frühstücksfernsehen in Baltimore, irgendwann folgt in Chicago die Oprah-Winfrey-Show, eine Sendung, in der sie an eine Seelsorgerin denken lässt, während Prominente auf ihrem Sofa sitzen, als wäre es ein Beichtstuhl. Ihren Anhängern reicht allein schon die Vita als Empfehlung fürs Oval Office. Eine Frau, die das Leben in all seinen Facetten kennt: Oprah 2020!