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| 20:29 Uhr

Dialogveranstaltung der Brandenburger Landesregierung
Ohne Angst vor den Maschinen

Welche Aufgaben werden Roboter künftig übernehmen. Dieser, der vom südkoreanischen Elektronikkonzern LG entworfen wurde, hilft Reisenden, sich im Internationalen Flughafen Incheon bei Seoul zurechtzufinden.
Welche Aufgaben werden Roboter künftig übernehmen. Dieser, der vom südkoreanischen Elektronikkonzern LG entworfen wurde, hilft Reisenden, sich im Internationalen Flughafen Incheon bei Seoul zurechtzufinden. FOTO: dpa / Jack Kurtz
Potsdam. Brandenburger Fachleute raten zu einem zuversichtlichen Blick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt. Von Mathias Hausding

  Die Landesregierung bemüht sich, den Weg Brandenburgs in die Digitalisierung zu ebnen. Am Donnerstag gab es dazu erneut eine Dialogveranstaltung.

Arbeitsprozesse werden immer stärker vernetzt und durch Datentransfers in Echtzeit beschleunigt, viele Tätigkeiten früher oder später von Maschinen übernommen. Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden? Wie kann der Prozess gesteuert werden?

 Darum geht es in Brandenburgs Digitalisierungsstrategie, die noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Auf dem Weg dahin haben am Donnerstag Unternehmer, Forscher und Verwaltungsexperten über die Herausforderungen diskutiert. Tenor: Die Digitalisierung werde viele Jobs stark verändern, es würden Tätigkeiten wegfallen, aber unter dem Strich werde es nicht weniger Arbeitsplätze geben.

„In der Kranken- und Altenpflege haben die Beschäftigten die Hoffnung, dass Maschinen lästige Dokumentationsarbeiten sowie schwere körperliche Tätigkeiten übernehmen“, sagte Susanne Stumpenhusen, Landeschefin der Gewerkschaft Verdi und Mitglied des Brandenburger Digitalbeirats. Auf der anderen Seite würden Banker eine Entwertung ihrer Arbeit fürchten, „weil der Algorithmus die Anlageberatung macht“. Stumpenhusen gab die Maxime aus: „Weg mit dem Schreckgespenst vom Jobkiller Digitalisierung!“ Allerdings sei es wichtig, die Prozesse zum Wohle der arbeitenden Menschen zu steuern. „Es darf nicht nur um Profitmaximierung gehen.“

Carsten Kampe von der Wirtschaftsförderung Brandenburg rief die Unternehmer dazu auf, sich den Veränderungen zu stellen. „Wer es nicht tut, geht das Risiko ein, vom Markt gefegt zu werden.“ In den Augen von Jutta Wiedemann, Expertin für digitale Arbeitswelt bei den Unternehmerverbänden Berlin-Brandenburg, müsse die Digitalisierung Chefsache sein, von oben vorgelebt werden. „Arbeit 4.0 braucht Führung 4.0. Mitarbeiter müssen bei der Umgestaltung ihrer Arbeitsplätze mitgenommen werden.“

Thomas Losse-Müller von der Hertie School of Governance zerstreute die Befürchtung, dass künftig jeder ein Computerspezialist sein müsse. „Wir dürfen von der Technologie mehr erwarten. Wir sehen an einfach zu bedienenden Smartphones, dass Maschinen in der Lage sind, sich den Menschen anzupassen“, sagte er. Man müsse nur den Mut haben, an die Maschinen auch tatsächlich diese Ansprüche zu stellen. Carsten Kampe ergänzte: „Digitalexperten ohne soziale Kompetenzen brauchen wir nicht.“

Der Landesregierung empfahlen die Experten, die Rolle des Kommunikators zu übernehmen, Beispiele für gelungene Digitalisierungsprozesse offensiv zu präsentieren und Akteure miteinander zu vernetzen, den Erfahrungsaustausch zu fördern.

„Vor allem sollte die Landesregierung die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Sie kann nämlich uns Menschen die Arbeit erleichtern“, betonte Susanne Stumpenhusen.