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| 18:35 Uhr

Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator
Obama und Bush würdigen McCain – Trump geht golfen

Meghan McCain steht weinend am Sarg ihres Vaters im Capitol.
Meghan McCain steht weinend am Sarg ihres Vaters im Capitol. FOTO: dpa / Andrew Harnik
Washington. Die politische Elite versammelt sich in Washington zur Trauerfeier für den Senator. Diese wird zur Gegenveranstaltung zum Amerika des derzeitigen US-Präsidenten. Von Can Merey

Meghan McCain kämpft bei der Trauerfeier für ihren Vater mit den Tränen, immer wieder muss sie ihre Ansprache am Samstag unterbrechen. Diesen Satz aber sagt sie mit fester Stimme: „Das Amerika John McCains hat es nicht nötig, wieder groß gemacht zu werden, weil Amerika immer groß war.“

Unter den mehr als 3000 geladenen Gästen in der Nationalen Kathedrale in Washington brandet spontan Beifall auf. Zur selben Zeit macht sich Präsident Donald Trump – auf dessen Wahlkampf-Slogan „Make America Great Again“ Meghan McCain anspielt – vom Weißen Haus aus auf den Weg zum Golfplatz.

Zum Trauergottesdienst für den langjährigen republikanischen Senator hat sich die politische Elite versammelt, und der US-Präsident ist nicht dabei. Fairerweise muss gesagt werden, dass McCain vor seinem Tod hat wissen lassen, dass er die Anwesenheit Trumps nicht wünsche. Dass McCain nicht vom Präsidenten verabschiedet werden wollte, sagt allerdings viel über den Zustand der Politik in den USA aus.

Die Trauerfeier ist eine Art Gegenveranstaltung zu Trumps Amerika. Die Ansprachen und der Umgang miteinander sind freundlich, respektvoll, harmonisch und überparteilich. Der republikanische Ex-Präsident George W. Bush hält eine eindrückliche Rede, gefolgt von seinem demokratischen Amtsnachfolger Barack Obama.

Mit seiner schonungslosen Kritik am Präsidenten wurde McCain zu einer Art republikanischem Anti-Trump – auch deshalb erschüttert sein Tod das liberale Amerika und die westliche Welt so sehr.

Obwohl Trumps Name kein einziges Mal während der zweieinhalbstündigen Veranstaltung fällt, können viele Aussagen als subtile Kritik an seiner Politik verstanden werden. Etwa wenn Obama sagt, McCain habe verstanden, „dass manche Prinzipien über Politik hinausgehen, dass manche Werte über Parteien hinausgehen. Deswegen hat er eine freie und unabhängige Presse als lebenswichtig für eine gute Debatte verteidigt.“ Trump nennt Medien, die kritisch über ihn berichten, dagegen „Feinde des Volkes“.

Obamas Kritik an einer Politik, die von Beleidigungen, erfundenen Kontroversen und übertriebener Empörung geprägt ist, lässt sich leicht auf Trump übertragen. Das gleiche gilt für Obamas Aussage, McCain habe gewusst, „dass unsere Demokratie nicht funktionieren wird, wenn wir uns daran gewöhnen, die Wahrheit zu beugen“. Bush lobt Charakterzüge McCains, die einem bei Trump kaum in den Sinn kommen: „Er war ehrenhaft, stets anerkennend, dass seine Kontrahenten immer noch Patrioten und Menschen waren.“